RIP: Günther Schickert

Günther SchickertGünther SchickertAm 23. Dezember starb in Berlin der Musiker Günther Schickert. Geboren 1949, lernte er zunächst Trompete und fand dann autodidaktisch zur Gitarre. Mit dieser betrat er 1971 die West-Berliner Free-Jazz-Szene und tourte parallel als Roadie und Tontechniker mit Klaus Schulze. Sein mit Gitarre und Delay-Pedalen eingespieltes Solo-Album „Samtvogel“ von 1974 gilt als eine der maßgeblichen Veröffentlichungen in der Kosmischen Musik aus der BRD und wurde 2024 von Bureau B neu aufgelegt. Ihm folgten in unregelmäßigen Abständen weitere Solo-Alben und Veröffentlichungen mit dem seit 1973 bestehenden Trio GAM mit Axel Struck (Gitarre) und Michael Leske (Schlagzeug), in dem Schickert Gitarre und Trompete spielte.

Außer als Musiker war er auch aktiv als Mitbegründer der noch heute bestehenden Kreuzberger Institution SO36 und erster Vorsitzender des Vereins zum Urstrom am Schlesischen Tor. Als Trompeter war er Mitglied der Kleinen Kapelle, bildete mit Udo Erdenreich und Dieter Kölsch die Band Ziguri und gründete 1999 mit einer Reihe anderer Gitarristen das Feedbackorchester. Im Rest von Deutschland war sein Name kaum bekannt, lockte aber immer wieder Journalisten aus England oder Japan nach Kreuzberg, die in Sachen Kraut und Kosmischer Musik forschten. Manchmal konnte man ihn sehen, wenn er unter seinem breitkrempigen Hut in einem Café auf der Oranienstraße ein Interview gab.

Nachdem das Internet seine musikalische Nische einer neuen Generation erschlossen hatte, gab es endlich mehr Veröffentlichungen von ihm, darunter eine Kollaboration mit Pharoah Chromium, „OXTLR“ (Grauton Records), in der seine Arbeitsweise, Gitarrensignale durch Loop- und Effekt-Labyrinthe zu musikalischen Gebäuden aufzuschichten, ihre Vollendung erlebte. Seit 2010 entstanden zudem Alben mit Jochen Arbeit und Schneider TM (als ASS) und Ziguri, dazu nachträglich veröffentlichte Aufnahmen mit Klaus Schulze, Peter Unsicker und Udo Erdenreich, sowie die Solo-Alben „Nachtfalter“ (Bureau B) und „Labyrinth“ (Marmo). In der Covid-Zeit begann Schickert mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, von denen er sich offenbar nie erholt hat. Dennoch erschienen bis zuletzt neue und alte Arbeiten von ihm, die seinem discografischen Fußabdruck schließlich das Profil gaben, das er verdient hat.

Weiterführende Links
Günther Schickert auf Bandcamp

Text
Eric Mandel
Foto
Archiv Günther Schickert

Veröffentlicht am unter News

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