Am Anfang ist der Atem. Kaum hörbar zuerst, dann zu einem eigenen Instrument werdend, intensiv und aufgefächert durch die nach und nach einsetzenden Klangfarben des 17-köpfigen Martin Streule Orchesters auf dem Eingangsstück „Crime Scenes“. Es ist faszinierend, wie das Ensemble die Feinheiten der Musik auslotet, die Assoziationsräume öffnet. Verträumt, beinahe märchenhaft moduliert die Stimme der israelisch-deutschen Sängerin Efrat Alony die fein gesponnenen Klanglandschaften Streules. Der Schweizer Komponist, der in seinem 1997 gegründeten Ensemble orchestralen Jazz mit kammermusikalischen Miniaturen verbindet, hat auf „Chamber Scenes“ seine Musik zu einer szenischen Erzählung werden lassen, die in ihrer Textur mit Klangfarbe und Form experimentiert und mit der weitgefächerten Stimme Alonys zu einer außergewöhnlichen Kammeroper wird.
Text
Maxi Broecking
Ausgabe
, Jazz thing 162
Veröffentlicht am 16. Feb 2026 um 07:57 Uhr unter Reviews