München: Neue Jazzstiftung

Anton Biebl & Andreas SchillerAnton Biebl & Andreas SchillerDie Planungen, in München eine Jazzstiftung für die Szene in der bayerischen Landeshauptstadt an den Start zu bringen, sind seit anderthalb Jahren schon im Gange. Seit seiner Jugend ist Andreas Schiller Jazzfan. Nach seiner beruflichen Karriere unter anderem im Vorstand eines großen Versicherungsunternehmens hat er sich nun als 79-Jähriger dazu entschlossen, etwas Gutes für seine lebenslange Leidenschaft, dem Jazz, zu tun. Am 4. September stellte Schiller unter anderem mit dem Münchner Kulturreferenten Anton Biebl in der Unterfahrt das Konzept seiner Jazzstiftung vor. Insgesamt 700.000 Euro stellt Schiller als Stiftungskapital zur Verfügung, aufgeteilt in 200.000 Euro Verbrauchskapital und 500.000 Euro Grundstockkapital. Die vergangenen Monate verbrachte er damit, dass seine Jazzstiftung organisatorisch und auch bürokratisch fest im Sattel sitzt: Das Kapital wurde eingezahlt, der Stiftung eine Satzung gegeben, dem Münchner Kulturreferat treuhänderisch die Verwaltung übertragen und zu guter Letzt die Gemeinnützigkeit durch das Finanzamt anerkannt.

Laut Satzung soll Ziel der Stiftung „die Förderung der Kunst und Kultur in München insbesondere auf dem Gebiet der Jazzmusik sowie die Beschaffung von Mitteln zur Förderung dieses Zweckes“ sein. Erreicht wird das durch die „Gewährung von Zuschüssen an steuerbegünstigte Körperschaften oder juristische Personen des öffentlichen Rechts in München zur Förderung der Jazzmusik“, um „moderne, zeitgenössische, aber auch in Ausnahmen klassische Jazzmusik einem möglichst großen Publikum zugänglich zu machen.“ Ein dreiköpfiger Beirat entscheidet über die Projekte, die durch die Jazzstiftung München gefördert werden. Es können einzelne Konzerte mitfinanziert werden, aber auch Workshops und Meisterklassen für die Nachwuchsmusiker*innen lassen sich zum Beispiel darüber ebenso unterstützen wie Musiker*innen für Studioproduktionen oder Clubs und Spielstätten für notwendige Renovierungsarbeiten.

„Je länger ich mich mit dem Jazz beschäftigte, desto klarer wurde mir seine gesellschaftliche Bedeutung“, beschreibt Schiller in der „Süddeutschen Zeitung“ einen seiner Beweggründe für die Errichtung der Jazzstiftung München: „Inzwischen sehe ich den Jazz als die Kunstform an, die mit am besten unserer freiheitlichen, demokratischen, weltoffenen Gesellschaft entspricht. Da sind wichtige Elemente abgebildet: Individualität eingebunden in die Gemeinschaft – so etwas wie eine Jam-Session, wo auf einer bestimmten Basis jeder mit allen anderen spielen kann, gibt es in keiner anderen Kunstform. Dann Kreativität, Vielseitigkeit und Fähigkeit zur Improvisation, nicht zuletzt das Tempo, das auch zu unserem Leben gehört.“

Weiterführende Links
Münchner Kulturreferat

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen, Martin Laurentius & Rolf Thomas

Foto
Ralf Dombrowski

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