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RIP: Lyle Mays

Lyle MaysLyle MaysManchmal stimmt die sprichwörtliche Chemie vom ersten Augenblick. Es muss jedenfalls ein magischer Moment gewesen sein, als der Keyboarder und Pianist Lyle Mays, 1953 in Wausaukee, Wisconsin, 1975 zum ersten Mal den nur unwesentlich jüngeren Gitarristen Pat Metheny traf. Wahrscheinlich spürten es die beiden sofort, dass ihr Kennenlernen vor 45 Jahren der Beginn einer lebenslangen Freundschaft werden sollte – die ihre kreative Entsprechung dann in der Pat Metheny Group hatte. Es sagt schon viel über den Menschen Mays aus, dass er beim Namen dieser Group seinem Freund den Vortritt ließ – obwohl (oder gerade weil?) er zu gleichen Teilen wie Metheny als Komponist wie auch als Pianist am unnachahmlichen Ensembleklang dieser Group beteiligt war.

Das Album „Offramp“ 1982 war die Blaupause für den Sound der Pat Metheny Group. Mays orchestrierte diesen Gruppenklang auf dem Flügel und verschiedenen Keyboards nicht nur. Er ließ vielmehr die Akkorde leicht wie eine Feder hoch in den Himmel schweben, hob mit seinen Tontrauben die Schwerkraft auf und überzuckerte die Wolken am Firmament mit einem purpurnen Glanz, in den Metheny unter anderem mit dem Gitarrensynthesizer seine vielfarbig-melodischen Schlieren zog, getragen von einer Rhythmik, die geradezu tanzend jede Erdenschwere verloren zu haben schien. Wenn Mays dann zu improvisieren begann, hatte sein Spiel die Ruhe, Konzentration und Weltvergessenheit eines Kalligrafen beim Schreiben mit Pinsel und Tusche. Wie überrascht war man aber, wenn man die beiden Freunde mit „ihrer“ Group live auf der Bühne sah: Sie wirkten so bodenständig und tiefgründig, dass man nicht glauben wollte, sie könnten eine so von jedem Ballast befreite Musik spielen.

Die Pat Metheny Group sollte bis 2005 auf einer Erfolgswelle schwimmen. Während Metheny aber mit seinen vielen anderen Bands und Veröffentlichungen zu dem stilbildenden Jazz-(Fusion-)Gitarristen wurde, der er heute noch ist, so ist das diskografische Werk von Mays mit gerade einmal sechs Alben unter eigenem Namen überschaubar geblieben – seine letzte CD 2016, „The Ludwigsburg Concert“, war ein Konzert-Mitschnitt aus dem Jahr 1993. Zuletzt war Mays nicht mehr oft als (Jazz-)Musiker zu hören, sein Geld verdiente er als Software-Entwickler in Kalifornien.

„Lyle war einer der größten Musiker, die ich gekannt habe“, schreibt Metheny, als er vom Tod seines Freundes erfahren hat. „Von der ersten Note an, die wir zusammen gespielt hatten, spürten wir eine tiefe Bindung zueinander. Seine umfassende Intelligenz und musikalische Weisheit prägten jeden Aspekt seiner selbst.“ Am 10. Februar ist Lyle Mays nach langer Krankheit im Alter von 66 Jahren in Los Angeles gestorben.

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

Foto
Creative Commons/Macustexgree

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