Bezau Beatz 2019

Bruce HornsbyBruce Hornsby„Wir müssen den Mund aufmachen als Künstler. Wir dürfen nicht selbstgefällig sein“, schreibt Pianist und jetzt hauptsächlich Keyboarder Brad Mehldau in einem ausführlichen Text zu „The Prophet Is A Fool“ von seinem neuen, politisch-biblischen Album „Finding Gabriel“. Im dazugehörigen Animations-Video rufen ein Trump-Baby und wütende Glatzenmänner „Build that wall“, während der gezeichnete Brad und seine Tochter abwechselnd vor ihnen fliehen und die Augen verdrehen. Auch Bruce Hornsbys „Absolute Zero“ könnte als Kommentar zum manischen Mauerbauer verstanden werden. Bei näherem Hinhören ist das Titelstück des aktuellen Albums (unter anderem mit Jack DeJohnette) eher persönlicher Natur. Eindeutiger ist da „No Black, No Dogs, No Irish“ von Brownswood-Star Skinny Pelembe, einem in Südafrika geborenen und in England aufgewachsenen Singer/Songwriter. Dieses Stück bezieht sich auf den „Race Relations Act“ bezieht, der diesen bis dahin üblichen hässlichen Dreiklang in Wohnungs- und Stellenanzeigen erst 1968 gesetzlich verbot. Auch „Everybody Wants To Rule The World“ von Tears For Fears, jetzt in einer Monster-Funk-Version vom neuen Album der amerikanischen Jam-Band Lettuce strahlend aufpoliert, bekommt 2019 mehr als nur einen politischen Beigeschmack. Jan Bang, Eivind Aarset, Erik Honoré und Samuel Rohrer begeben sich gemeinsam auf „Dark Star Safari“ und huldigen der biblischen Figur des Wächters „Mordechai“.

Die Mythen des alten Griechenland haben es Noé Tavelli & The Argonauts Collective, aktuelle Vertreter der Reihe „Jazz thing Next Generation“, angetan. „Ruby’s Blessing“ von der CD der jungen Schweizer klingt allerdings eher nach modernem New York als nach altem Athen. Der Xylofon-Meister Isaac Birituro aus Ghana und der englische Singer/Songwriter The Rail Abandon haben sich für ein herrlich grenzenloses Album zusammengetan, aus dem wir „Yesu Yan Yan“ hören. Hinter dem Ensemble Du Verre steht Drummer und Produzent Sönke Düwer mit einer feinen Truppe von Sängerinnen und Sängern, etwa Nora Becker auf dem Titelstück des neuen Albums „Jet Black Notebook“. Eben so ein drummender Produzent ist Malcolm Catto aus London, bekannt von den Heliocentrics etwa, dessen anderes Leib- und Magenprojekt die Funkateers von „Hot Border Special“ sind. Wir fragen uns mit ihnen: „Where’s Artie?“ und, im Albumtitel, „Are You Ready?“. Zum Ausklang noch eine wiedergefundene Groove-Perle aus Addis Abeba von Alemayehu Eshete, stellvertretend für die vielen afrikanischen Absurditäten, die BBE wiederveröffentlicht, und die erste Single „Alma“ vom kommenden Album des brasilianischen „Beach Boys“ Marcos Valle. Zumindest musikalisch ist der Sommer jetzt da; im Jazz thing Mixtape am 14. Juni ab 12 Uhr auf ByteFM.

Weiteführende Links
Playlist Jazz thing Mixtpape #150
ByteFM

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

Veröffentlicht am unter News