Bezau Beatz 2019

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Zwei Größen der MPB haben sich erstmals zu einer Studiosession getroffen, au der ein gemeinsames Album hervorgehen wird. Gilberto Gil und Marisa Monte standen Anfang des Jahres in Salvador da Bahia vor den Mikros, um Obatalá – Uma Homenagem A Mãe Carmen“ aufzunehmen. Das Werk, das in Brasilien im Mai erscheinen soll, widmet sich den afrobrasilianischen Gesängen des Candomblé und ist eine Hommage an eine der prominentesten Sängerinnen des Genres, die heute 90-jährige Carmen Olveira da Silva, bekannt als Mãe Carmen do Gantois. Gaststars der beiden auf „Obatalá“ sind unter anderem Jorge Ben Jor, Carlinhos Brown, Daniela Mercury und Gal Costa.

Einen Schatz aus seinem Archiv will der Schlagzeuger Djalma Corrêa nun der Öffentlichkeit zugänglich machen. Am 22. April 1964 hat er im Teatro Vila Velha von Salvador das erste Konzert mitgeschnitten, bei dem Gilberto Gil, Caetano Veloso, Gal Costa, Maria Bethânia und Tom Zé, die späteren Hauptaktivisten der Tropicália, gemeinsam auf der Bühne standen. Veloso hat die Show damals „Nós, Por Exemplo!“ genannt, sie war ein Meilenstein auf dem musikalischen Weg der damaligen Studenten. Corrêa, der 1964 als Perkussionist der Gruppe fungierte, will das Tondokument nun nach 55 Jahren in einen Dokumentarfilm mit den Protagonisten von einst einbetten und sucht derzeit Partner für die Realisierung.

Unterdessen gehen die Drohungen gegen Musiker in Zeiten des Bolsonaro-Regimes weiter: Am vergangenen Sonntag, dem 55. Jahrestag des brasilianischen Militärputsches, zelebrierte Bischof José Francisco Falcão in Brasilia eine Messe, bei der mehrere ranghohe Generäle und die Witwe eines besonders berüchtigten Generals des damaligen Regimes anwesend waren. Nach Informationen der Zeitschriften Veja und Época äußerte er während der Messe, dass es in den 1970ern einen „Dummkopf“ gab, der „É Proibido Proibir“ („Verbieten verboten“) sang. Ihm würde er gerne Rattengift verabreichen. Der katholische Geistliche bezog sich auf Caetano Velosos berühmt gewordenes diktaturkritisches Lied. Veloso fordert den Bischof nun auf, er solle den Namen dessen nennen, den er töten wolle. Die zuständige Erzdiözese verneint die Vorkommnisse. Sie verweist darauf, Falcão habe sich nur auf eine Bibelstelle bezogen, die davon spricht, dass es absolute Freiheit ohne Verbote nicht gebe.

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

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