Kara WalkerKara WalkerIn ihrer ersten Einzelausstellung bei der Berliner Galerie Sprüth Magers ist derzeit das Video „Fall Frum Grace, Miss Pipi’s Blue Tale“ der afroamerikanischen Künstlerin Kara Walker zu sehen – ihr aufwühlender Beitrag zur Ausstellung „Blues for Smoke“, die 2013 im „Whitney Museum of American Art“ in New York lief. Das 17-minütige Video folge der verworrenen Geschichte von Miss Pipi, einer „Südstaatenschönheit“ mit perfekt frisiertem Haar, die sich auf eine sexuelle Begegnung einlässt – allem Anschein nach ein Sklave, heißt es in der Ausstellungsbeschreibung: Nachdem die Liaison auffliegt, wird er von einer Gruppe weißer Männer geschlagen, kastriert und schließlich brutal gemordet. In der amerikanischen Südstaaten-Kulisse des 19. Jahrhunderts thematisiert Walker die kulturell kodierte Furcht vor der sexuellen Macht des Schwarzen Mannes über weiße Frauen.

In diesem Film bedient sich Walker der antiken Kunst des Schattentheaters. Details sexueller Obszönitäten und Gewalt, silhouettenhafte Charaktere, flüchtige Blicke auf die Puppenspielerin brechen und mischen sich in diesem brutalen Bericht über die Prüfungen ihrer Heldin im Vorkriegs-Süden. Die Präzision und das anspruchsvolle Geschick in Walkers Schattenfigurenausschnitten werden durch die bewusste Grobheit des Puppenspiels noch verstärkt. Von Delta Blues über Groove-Musik zu Ambient-Noise wechselt der Soundtrack zum unruhigen Filmen, Walkers Hände kommen manchmal in Sicht, wenn sie die schrecklichen Akte der Vergewaltigung und des Sadismus gegen die langsame, traurige Musik bearbeitet.

Zu den jüngsten Debatten um „Race Relations“ teilte die 1969 in Stockton geborene und heute in New York lebende Künstlerin anlässlich einer anderen Ausstellung im vergangenen Jahr sehr nachdrücklich mit, dass sie es leid sei, „eine Stimme zu haben“ oder schlimmer noch, „ein Vorbild und ein herausragendes Mitglied meiner Rassengruppe und/oder Geschlechtsnische zu sein“. Die Einzelausstellung von Kara Walker ist noch bis zum 8. September bei Sprüth Magers in Berlin zu sehen.

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Sprüth Magers

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

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