Meshell Ndegeocello – VentriloquismMeshell Ndegeocello – Ventriloquism

„Ach, die Welt ist so geräumig und der Kopf ist so beschränkt.“ Mit diesem Seufzer von Wilhelm Busch schafft dieses Jazz thing Mixtape Platz für neue Klänge aus unterschiedlichsten Gegenden der geräumigen Musikwelt. Von brasilianischem AOR über eine wüstenrockende P-Funk-Version zu wütendem, wünschendem oder auch kinderliedhaftem Jazz, einem Country-Blues-Hit in Modern-Jazz-Version, einer Hymne gegen Pegida, modernem Afrobeat-Highlife und einem Dylan-Cover mit Soul reichen die aktuellen Lieblingslieder der Redaktion von Jazz thing. „Joia Rara“ heißt im brasilianischen Portugiesisch möglicherweise „wertvolle Perle“, bedeutet „einzigartige Anmut“ und ist nicht nur der Name einer der beliebtesten Telenovelas des Landes, sondern auch ein Stück vom 1983er-Album des Trios Brylho. Jetzt eines der herrlichen „Too Slow To Disco“-Stücke der neuen Compilation gleichen Namens, diesmal zusammengestellt von AOR-Experte und Soul-Star Ed Motta. Meshell Ndegeocello macht aus Trauer und ihrer Unzufriedenheit mit modernem R&B herrliche Cover-Versionen. „Ventriloquism“ entführt etwa George Clintons „Atomic Dog“ in die Wüste von Mali.

Die Sons Of Kemet aus UK verdammen die amtierende Königin ihrer Heimat und suchen sich auf „Your Queen Is A Reptile“ neun neue aus der afrikanischen Diaspora, etwa Mamie Phipps Clark, eine Psychologin, deren Erkenntnisse entscheidend für die „De-Segregation“ des amerikanischen Schulwesens war. Der ghanaische Gitarrist Ebo Taylor, ein König des Highlife und anderer afrobeatender Musiken, gönnt uns mit „Krumandey“ einen Einblick in sein neues Album „Yen Ara“. Das Schweizer Trio Escape Argot könnte laut Jazz-thing-Redakteur Guido Halfmann größer als GoGo Penguin sein, wenn dort etwas weniger „rumgefrickelt“ werden würde. Beim Titelstück ihres Debüts „Still Writing Letters“ hält sich das Gefrickel in Grenzen. Soul-Diva und Amy-Winehouse-Inspiration Bettye Lavette ist mit „Political World“ von ihrem Bob-Dylan-Cover-Album „Things Have Changed“ zu hören. Dem Dylan-Urvater Leadbelly zollt Drummer Adam Nussbaum mit „Goodnight Irene“ Respekt. Apropos Schlaflieder: Auch wie die 90-jährige „European Jazz Legend“ Martial Solal auf die beiden Cover von „Bruder Jakob“ auf seinem Solo-Piano-Live-Album „My One And Only Love“ kam, verrät übrigens Moderator Götz Bühler. Neu in der „Jazz thing Next Generation“ ist das Thomas Kolarczyk Ensemble, bei uns zu hören mit der wirbelnden Anti-Pegida-Hymne „Mifida“. Den Abschluss macht Michael Wollny mit den beiden sehr unterschiedlich überirdischen Versionen von „Make A Wish“ von seinen neuen Alben „Oslo“ und „Wartburg“. All das gibt es im nächsten Jazz thing Mixtape am 23. März, ab 12 Uhr auf Byte.FM.

Weiterführende Links
Jazz thing Mixtape
Byte.FM

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

Veröffentlicht am unter News