Eyolf Dale 'Return To Mind'Eyolf Dale ‚Return To Mind‘„Wir müssen das Publikum für Jazz erweitern und aufhören, Jazz so mysteriös zu machen, zu einer Musikform, die die Leute noch nicht einmal ausprobieren wollen.“ Der Pianist Robert Glasper hat das gesagt, vor ziemlich genau zehn Jahren. Mit seinem neusten Projekt „August Greene“, einer All-Star-Band mit Karriem Riggins und Common, führt er seine Popularisierungsbemühungen auf eine neue Ebene: „Optimistic“, die erste Single des bald erscheinenden Albums, wird von Soul-Sympathin Brandy gesungen. Der Pianist Eyolf Dale ist auch kein Elfenbeinturmwärter, geht die Sache aber anders, instrumentaler und norwegischer an: sein „Soaring“ bringt Orchestrales zum Schweben, wirkt wie der Soundtrack zum Schneeflockenflug. Die deutsche Band Yellow Bird, nicht nur augenzwinkernd in der Schublade „Alternative Country“ zu finden, besingt „The Robber“ so retro, dass es schon wieder modern klingt. Die Gruppe Penya, ein Kollektiv um den Beat-Investigatoren Magnus PI, erkundet ihre afro-kubanischen Einflüsse auf „Beat Your Demon“, das stellvertretend das Londoner Label On The Corner repräsentiert, das kürzlich zur Plattenfirma des Jahres bei Gilles Petersons „Worldwide Awards“ gewählt wurde.

Wanja Slavin ist mit zwei unterschiedlichen Ensembles in diesem Mixtape zu hören: seine Lotus Eaters, hier mit dem amerikanischen Drummer Nasheet Waits, faszinieren mit „W.S.1“, die Band Other Animal, die neben Slavin am Saxofon und den Brüdern Peter (Gitarre) und Bernhard Meyer (Bass) den etwas anderen amerikanischen Drummer Jim Black besetzt, begeistert mit „Drown Dreams“. Spätstarter und Glückspilz in einem ist der erblindete Schreiner und erleuchtete Soul-Sänger Robert Finley, der, gefördert von Dan Auerbach von den Black Keys, sein neuestes Album „Goin‘ Platinum“ bei Nonesuch veröffentlicht. Die britische Soul-Funk-Combo Mamas Gun feiert auf „Golden Days“, ihrem neusten und besten Album, die „London Girls“. „Horny Hornist“ Maceo Parker, eben 75 geworden, widmet sich auf seinem Jubiläumsalbum dem Thema Liebe und dehnt gemeinsam mit der WDR Big Band den Isley-Brothers-Klassiker „Gonna Put Your Lovin‘ In The Lay Away“ auf epische Breite aus. Den krönenden Abschluss bildet „On My Own“, ein Highlight des neuen Albums vom luxemburgischen Komponisten und Drummer Jeff Herr, auch bekannt aus den Bands von Pascal Schumacher, und seiner „Corporation“. Beste Beispiele für die sehr unterschiedlichen Arten und Weisen, wie man das Publikum für Jazz erweitern kann – nicht wirklich mysteriös und unbedingt auszuprobieren. Eins ist klar: die meisten Zuhörer sind nicht annähernd so anspruchslos, wie man sie glauben machen will. All das gibt es im Jazz thing Mixtape am 23. Februar ab 12 Uhr – eine Stunde lang mit Götz Bühler auf Byte.FM.

Weiterführende Links
Jazz thing Mixtape 131
Byte FM

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

Veröffentlicht am unter News

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