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Zum Tode von Gregg AllmanGregg AllmanGregg Allman war sicher nicht der umgänglichste Zeitgenosse. Von früher Jugend an liebte er es anzuecken, im Alter war er nur noch bärbeißig. Doch wenn er darüber schwadronierte, wie er 1969 mit der Allman Brothers Band von jedem zweiten Dorf-Sheriff im Süden der USA eingesperrt wurde, huschte ein verklärtes Lächeln der Genugtuung über seine Züge. „Die wollten uns immer eins auswischen, indem sie uns in den schwarzen Zellentrakt sperrten. Aber genau da wollten wir ja hin, denn von den Jungs dort lernten wir den Blues.“

Allman war 21, als er sich nach unbeholfenen Versuchen mit Allman Joys und Hourglass 1969 der Band seines großen Bruders, des Gitarristen Duane Allman anschloss, die kurz darauf als Allman Brothers Band Furore machte. Eigens für diesen Job musste der bisherige Sänger Orgel lernen. Das Logo war durchaus im doppelten Sinne zu verstehen, als Familien-Unternehmen, aber auch als Bund von Gleichen, in der alle ohne Rücksicht auf ihre Herkunft Brüder sein konnten. Ein gelebter Hippie-Traum mitten in der archaischen Ordnung der Südstaaten. Die spezielle Mischung aus Country, Blues, Jazz und hartem Rock ging als Southern Rock in die Geschichte ein.

Von Anbeginn wurde die Band durch Todesfälle dezimiert. 1971 raffte es Duane Allman bei einem Motorrad-Unfall dahin, ein Jahr später starb Bassist Barry Oakley, weitere Mitglieder sollten folgen. 1976 machte der streitbare Allman keine gute Figur, als er bei einem Gerichtsverfahren wegen Drogenmissbrauchs gegen seine Kompagnons aussagte. Die Band zerbrach, und Allman machte Schlagzeilen durch die Skandal-Ehe mit der Pop-Sängerin Cher, mit der er sogar ein Album aufnahm.

Die Allman Brothers kamen mehrfach zusammen und lösten sich ebenso oft wieder auf, bis nach der Jahrtausendwende ein siebenköpfiges Line-up die Kriterien einer All-Man-Band besser erfüllte als je eine Besetzung zuvor. Allmans Formation war eine allamerikanische Institution geworden, die Musiker aus drei Generationen sowie Weiße, Schwarze und Latinos vereinte und alle Formen amerikanischer Roots-Music auf höchstem Level verband. Ihr alljährlicher Long Run im New Yorker Beacon Theater ist legendär. Er selbst genoss den Ruf des Patriarchen der Jamrock-Szene.

Doch ein Leben im Zeichen von Drogen und Alkohol, immer am Rande des Abgrunds, forderte seinen Tribut. Allman überstand eine Lebertransplantation. Auf seinem Soloalbum „Low Country Blues“ fing er 2011 als geläuterter Oldster ganz von vorn an. 2014 lösten sich die Allman Brothers endgültig auf. Gerüchte über eine Neugründung unter Leitung seines Sohnes und Lookalikes Devon Allman hielten sich seither hartnäckig.

Kurz nachdem George W. Bush ins Weiße Haus eingezogen war, fragte ich ihn bei einem Treffen in New York nach der amerikanischen Politik jener Tage. Allman kippte sich aus einem riesigen Coke-Becher eine Ladung Eiswürfel in den Rachen und begann wie ein Nussknacker zu kauen. „Politik interessiert mich nicht“, stieß er nach einer unerträglichen Ewigkeit hervor. „Aber eines weiß ich sicher. Würden mehr Politiker Musik hören, wäre die Welt ein besserer Ort. Die Musik ist der Politik immer ein Stück voraus.“ Am 27. Mai 2017, 46 Jahre nach seinem Bruder Duane und vier Monate nach seinem langjährigen Drummer Butch Trucks, starb Gregg Allman mit 69 Jahren friedlich in seinem Bett. Ohne dieses Urgewissen der amerikanischen Blues-Country-Latin-Cajun-Soul-Jazz-Rock-Supernova ist die Welt definitiv kein besserer Ort. Möge sein Spirit noch lange wirken. Text: Wolf Kampmann

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Gregg Allman

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

Foto
Creative Commons/Alberto Cabello

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