Zum Tode von Fritz EwaldFritz EwaldDie Faszination für den Jazz begann bei Fritz Ewald in der Nachkriegszeit der 1950er-Jahre. Wie so viele junge Menschen hörte er den US-Soldatensender AFN, der die Musik der freien Welt spielte, darunter viel Jazzmusik, Glenn Miller oder Benny Goodman. Zu seinem ersten Jazzkonzert mit Sidney Bechet fuhr er 1957 nach Stuttgart – dieses Live-Erlebnis hinterließ einen nachhaltigen Eindruck bei ihm. Außerdem war Ewald selbst Musiker und spielte Schlagzeug bei der Schwenninger Dixieland-Band Millway Slickers. Seine fundierten Kenntnisse von Jazz und Blues vermittelte er mit Begeisterung auch in Kursen an der Volkshochschule. Dort wurde er schließlich gebeten, Blues- und Jazzkonzerte für die Jugend zu organisieren. Und so fand 1970 das erste Konzert mit Willie Dixon & His Chicago Blues All Stars statt. Weitere Konzerte folgten – und diese waren so erfolgreich, dass Ewald einen größeren Veranstaltungsort benötigte, den er im Villinger Theater am Ring fand. 1975 stand dort Keith Jarrett auf der Bühne, der nur vier Tage vor dem legendären „Köln Concert“ seine Improvisationskunst unter Beweis stellte.

Vom damaligen Oberbürgermeister wurde Ewald schließlich gebeten, ein eigenes Festival auf die Beine zu stellen. So war VS swingt war geboren, ab 1977 kamen zahlreiche Jazzbegeisterte zum Jazz ins Theater am Ring. Marion Williams, die legendäre Gospelsängerin, eröffnete die Festspiele – und verwandelte das Konzert fast in einen ergreifenden Gottesdienst. Umjubelter Höhepunkt der Premiere im Theater war aber der Auftritt von Jazzlegende Lionel Hampton. In den darauffolgenden Jahren wurden vor allem amerikanische Spitzenmusiker unterschiedlicher Stilrichtungen eingeladen, darunter Weltstars wie zum Beispiel Earl Hines, Dave Brubeck, B.B. King, Jon Faddis, Oscar Peterson, Stan Getz, Wynton Marsalis, Nina Simone, Herbie Hancock, The Manhattan Transfer, Monty Alexander, später kamen auch Europäer zu VS swingt wie etwa Michel Petruccani, Nigel Kennedy, Esbjörn Svensson.

Ewalds Aktivitäten waren für die kulturelle Entwicklung von Villingen-Schwenningen und der gesamten Region und damit auch für die Lebensqualität ihrer Bürger von großer Bedeutung – und seine Verdienste bleiben unvergessen. Die Stadt zeichnete seine herausragende Leistung für die Musik bereits 1998 mit der Verleihung der Bürgermedaille aus, 2007 verlieh der Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg ihm für sein ehrenamtliches Engagement die Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg. Posthum wurde Fritz Ewald nun mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Denn „Mister VS swingt“ ist im Alter von 78 Jahren überraschend am 3. Oktober gestorben.

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

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