ELBJAZZ 2018

Zum Tode von Victor BaileyVictor Bailey

Victor Bailey, 1960 in Philadelphia geboren, trat ein großes Erbe an, als er 1982 Nachfolger von Jaco Pastorius in der von Joe Zawinul und Wayne Shorter geleiteten Band Weather Report wurde. Vor allem an der Seite seines Freundes, dem Schlagzeuger Omar Hakim, konnte der E-Bassist die Fußspuren, die Pastorius nach seinem Weggang von Weather Report hinterließ, tatsächlich füllen. Bailey war ein „umfassender“ Musiker, ein „Musician’s musician“, der sich in jedem Setting zurechtfand, gleichgültig ob im Jazz und Jazz-Rock oder in Rock und Pop, Funk, Soul und R&B. Nach seinem Debütalbum „Bottom’s Up“ 1989 brauchte es aber noch einmal zehn Jahre, um sein gefeiertes Jazz-Fusion-Werk „Low Blow“ zu veröffentlichen, das ihn als ein „Bewahrer“ des Erbes von Jaco Pastorius zeigte, der jedoch dessen revolutionäres Spiel auf dem E-Bass in eine eigene Sprache transformieren konnte. Seit 25 Jahren litt Bailey am „Morbus Charcot-Marie-Tooth“, auch Neurale Muskelatrophie genannt, einem zunehmenden, unheilbaren Muskelschwund in Händen und Füßen, Armen und Beinen. Victor Bailey ist am 11. November im Alter von 56 Jahren gestorben.

Mose Allison, 1927 im US-Bundesstaat Mississippi geboren, ist der Beleg dafür, dass nicht nur die instrumentaltechnische Virtuosität Grund sein muss, um sich im Jazz einen Namen zu machen. Sein Klavierspiel war technisch eher begrenzt, seine Stimme eher brüchig, nölig und leise. Doch dieses Manko macht er mit einem flexiblen Timing wett, mit dem er seine Improvisationen kunstvoll phrasierte. Nach seinem Studium und seiner Militärzeit zog Allison Mitte der 1950er-Jahre nach New York, wo er Anfangs noch als Sideman unter anderem für Stan Getz und Gerry Mulligan arbeitete. Doch die Besetzung seiner Wahl war das Piano-Trio, seine stilistische Basis der Blues in all seinen Ausprägungen. In dieser Umgebung schrieb er in den folgenden gut 60 Jahren seine unnachahmlichen Kompositionen. Unnachahmlich, weil Allison sicherlich zu den wenigen Jazzmusikern gehörte, dessen Stücke von zahllosen Pop- und Rockmusikern gecovert wurden, ohne diese ihren von Allison beabsichtigten Spirit verloren haben. John Mose Allison Jr. Starb am 15. November im Alter von 89 Jahren.

Weiterführende Links
Victor Bailey
Mose Allison

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

Veröffentlicht am unter News
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