Fred Kemper und die Magie des JazzRoman: Fred Kemper und die Magie des Jazz„Ich bin kein Musiker, nicht einmal Noten lesen kann ich, und der Quintenzirkel ist für mich mehr Quantenphysik als Musik“, schreibt der Schriftsteller Stefan Sprang. Gerade im Verlag Henselowsky & Boschmann erschienen ist sein erster „Jazz“-Roman: „Fred Kemper und die Magie des Jazz“. In zwei Zeitsträngen erzählt Sprang das Leben des fiktiven Saxofonisten Fred Kemper. Der ein Strang beschreibt den Weg des Hauptprotagonisten, wie er in Essen 1967 als 13-Jährige den Jazz für sich entdeckt und über die Platten eines John Coltrane, Miles Davis, Chet Baker, Dexter Gordon oder Stan Getz den „Kanon“ der swingenden Musik aus den USA kennen lernt. Wie er geradezu darum kämpft, selbst Jazzmusiker zu werden und sein Instrument, das Tenorsaxofon, zu spielen. Wie er dann mit seinem eigenen Quartett erfolgreich auf den Clubbühnen steht – und wie er sich später gegen die Fortsetzung seiner Karriere als Jazzsaxofonist entscheidet und für ein „bürgerliches“ Leben im Reihenhaus mit Ehefrau und Kindern. Der andere Strang spielt „zwischen den Jahren“ kurz vor der Jahrtausendwende 1999. Kemper hat Frau und Kinder verlassen und ist nach Oslo gereist. Unzufrieden und unglücklich mit seinem Leben als Familienvater und seiner Arbeit als Musiklehrer trifft er in der norwegischen Hauptstadt seine frühere „große“ Liebe wieder: die Jazzsängerin Lilli. Mit diesem Treffen wird Kemper bewusst, dass es ein Fehler war, sein Leben als Jazz-Bohemien aufzugeben. Er findet leise zu seinem verloren geglaubten, „inneren“ Sound zurück und tastet sich vorsichtig nach jahrelanger Spielabstinenz wieder an sein Instrument heran – Ende offen…

Pfiffig und raffiniert verschränkt Sprang auf den gut 250 Seiten seines Romans die beiden Erzählstränge, liefert jede Menge Ruhrgebiets- und Jazzclubkolorit und spürt mit seinem Protagonisten den Biografien einiger „echter“ deutscher Jazzinstrumentalisten nach, die wie Kemper im Roman ab den 1970ern zwischen der Wahrung der US-Tradition und ihrem Wunsch nach Innovation hin und her gerissen waren. Doch wenn der Autor das Geschehen auf der Bühne beschreibt, wenn es darum geht, wie sich zum Beispiel ein Zusammenspiel zwischen Musikern anfühlt, dann verliert die Geschichte ihren Erzählrhyhmus und ihre „Magie“, wird sie ein ums andere Mal klischeehaft und man liest zwischen den Zeilen, dass Sprang selbst nie Musiker sondern nur Jazzfan gewesen ist. „Fred Kemper und die Magie des Jazz“ (ISBN 978-3-942094-16-0) gibt es ab sofort im Buchhandel und kostet 14,90 Euro.

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

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