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Gábor Bolla

Das Erbe des Colossus

Ein bisschen ist es, als wäre die Zeit stehen geblieben. Waberndes Saxofon, bluesig swingendes Piano, Walkingbass und das Schlagzeug immer einen Tick hinter dem Beat – so transferiert Gábor Bolla die Klangästhetik der 1960er, den Sound von Coltrane und Rollins, in die Gegenwart. Aber warum will ein 33-Jähriger unbedingt so klingen wie die Helden einer verblassten Ära? Weil es cool und irgendwie auch wieder modern ist!

Gábor Bolla Quartet (Foto: Annett Ahrens)

Ungarische Jazzmusiker besetzten in der Vergangenheit mit ihrer landestypischen Rezeptur aus folkloristischen Farben, Bar­tók und Liszt, freien Improvisationen oder Jazzrock schon immer Schlüsselpositionen im Jazz: Attila Zoller, Gabor Szabo, Aladar Pege, Tommy Vig, Tony Lakatos oder Lajos Dudas. Aber weshalb versucht sich ein junges Ausnahmetalent aus Budapest im 21. Jahrhundert ausgerechnet mit dem traditionellen Blue-Note-Klangbild Gehör zu verschaffen? Und aus welchem Grund tut er dies nicht in seiner Heimat, sondern in Kopenhagen?

Die Antworten darauf wollen so recht in keines der bekannten Muster passen, zumal das Stunt-Label, mithilfe dessen Gábor Bolla sein inzwischen viertes Album „On The Move“ (Stunt/in-akustik) auf den Tonträgermarkt wirft, ungehemmt aufs Nostalgiegaspedal drückt. Im Pressetext feiern die guten alten Zeiten Auferstehung, in denen die dänische Hauptstadt durch die temporäre Übersiedlung von Säulenheiligen wie Stan Getz, Ben Webster, Dexter Gordon, Bud Powell, Oscar Pettiford oder Ed Thigpen als so etwas wie die größte Überseefiliale für originären amerikani­schen Jazz galt. Für Bolla hat sich daran wenig geändert – wenn man die Zeit vor Corona als Maßstab nimmt.

Denn inzwischen zollt auch das einstige Wunderkind, das mit zwölf seinen ersten Wettbewerb gewann, seit dem 15. Lebensjahr – also mehr als sein halbes Leben – auf Achse ist, der aktuellen Situation Tribut. Bolla sitzt gerade in Budapest, besucht wieder seine Familie, muss die Hände in den Schoß legen und einfach warten.

„Mich hält es nicht lange an einem Ort“, artikuliert der freundliche Vollbart seine innere Unruhe. „Und da ist die Kopenhagener Szene nun mal ideal. Man trifft dort ständig tolle Musikerinnen und Musiker, bekommt immer wieder Gigs, die wirtschaftliche Situation ist ziemlich gut.“

In Ungarn gebe es auch viele fantastische Kolleginnen und Kollegen, von denen er sich jede Menge habe abschauen können. Aber mit seinem Heimatland hat er inzwischen Probleme. „Viele wollen sich nicht impfen lassen, die Situation ist schlimm hier. Und die Politik tut nicht wirklich etwas dagegen. Ach, lass uns darüber nicht mehr diskutieren!“ Man kann diesen Freiheitsdrang bei einem jungen Ungarn, der in der Zeit unmittelbar nach dem Fall des Eiser­nen Vorhangs aufgewachsen ist, fast mit Händen greifen.

„Mich zog es schon immer eher weg von hier, ich wollte mit anderen kollaborieren, in Österreich, Deutschland und anderen Ländern spielen. Für junge Musiker ist das enorm wichtig, neue Leute kennenzulernen, nicht immer mit denselben auf die Bühne oder ins Studio zu gehen. Das ist in Ungarn kaum möglich. Hier gibt es keinen kulturellen Austausch. Erst wollte ich nach Amerika, dann nach München, schließlich bin ich in Dänemark gelandet. Es ist aber gar nicht so wichtig, wo ich wohne. Ich fühle mich in ganz Europa zu Hause.“

Mittlerweile wurden viele auf seinen mächtigen Ton und seine messerscharfe Phrasierung aufmerksam – zwei markante Attribute, die vor allem jene auf den Plan riefen, die der junge Mann an den „Saxophone Colossus“ Sonny Rollins erinnerte. Dank der Vermittlung seines Tenorkollegen und Mentors Don Menza durfte Gábor während einer Tour sogar einmal mit seinem Idol telefonieren – eine überwältigende Erfahrung!

„Mich hat die Musik von Sonny immer sehr inspiriert, und ich habe mich ihm dabei sehr nahe gefühlt. Mit ihm sprechen zu können, war das Größte! Er war so bescheiden und wollte mich nur unterstützen. Es klingt kitschig, aber es war wie eine lebensverändernde Erfahrung. Von da an wollte ich auch so sein wie er!“

Kein Klon oder einer, der immer dieselben Linien und Melodien spielt, sondern einer, der etwas wagt und jeden Tag ein Stückchen besser werden will. Wohlgemerkt: im swingenden, boppenden Jazzduktus.

Deshalb trägt das Resultat seiner gebündelten Tourerfahrungen auch den Titel „On The Move“, wurde mit seinem Landsmann und treuen Weggefährten Robert Lakatos am Piano, dem schwedischen Bassisten Daniel Franck sowie dem US-Drummer Billy Drummond eingespielt und reanimiert mit Standards wie „Chelsea Bridge“ oder „We See“ sowie fünf feinen Originals ein längst verblasstes Gefühl von Abenteuer, der puren Lust am Leben und unbändigem Spaß. „Es gibt nichts Wunderbareres, als auf diese Weise mit anderen zu kommunizieren“, schwärmt Gábor Bolla. Er klingt, als wolle er sofort loslegen.

Text
Reinhard Köchl
Foto
Annett Ahrens

Veröffentlicht am unter 142, Feature, Heft