David Linx

Ohne Punkt und Komma

Auf „On Shoulders We Stand“ (Enja/edel) hat der belgi­sche Ausnahmesänger David Linx Klavierstücke seiner Lieblingskomponisten mit Texten versehen.

„Es frus­trierte mich einfach, dass manche klassische Melodien instrumental sind“, sagt Linx. „Für einige dieser Stücke wollte ich Texte schreiben, seit ich ein Kind bin. Ich wollte diese Melodien singen.“

Matteo Pastorino, David Linx, Guillaume de Chassy (Foto: Jeff Ludovicus)

So hat er unter anderem Werke von Rachmaninov, Schubert und Bach mit Texten versehen – keine leichte Aufgabe.

„Ich bin Songwriter, ich warte nicht auf Inspiration“, sagt Linx schulter­zuckend. „Für mich ist das ein Handwerk, ich setze mich hin und lege los. Aber in diesem Fall war es harte Arbeit. Ich musste Texte schreiben, nach denen die Musik verlangt.“

Das Vorspiel aus Bachs Wohltemperiertem Klavier erwies sich als besonders hartnäckig. „Bei Bach gibt es keine Interpunktion“, erklärt Linx. „Also musste der Text auch ohne Punkt und Komma auskommen, es ist eine einzige lange Zeile, die auch noch Sinn ergibt. Ich wusste, dass es möglich ist, aber es hat bestimmt zwei oder drei Monate gedauert.“

Zusammen mit dem französischen Pianisten Guillaume de Chassy und dem italienischen Klarinettisten Matteo Pastorino sind zehn federleichte Songs entstanden, die bei aller Gewichtig­keit der Musik leicht ins Ohr gehen und Fragen nach Jazz oder Klassik obsolet erscheinen lassen. „Guillaume de Chassy ist einer dieser raren Pianisten, der genauso gut mit klassischen Musikern wie mit Jazzmusikern spielen kann“, findet Linx ohnehin. „Er ist in jedem Repertoire sattelfest.“

Text
Rolf Thomas
Foto
Jeff Ludovicus

Veröffentlicht am unter 146, Feature, Heft

Leipziger Jazztage 2023
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