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Candy Dulfer

No Time For Negative Shit!

Im ersten Moment wirkt das neue Album „We Never Stop“ (Mascot Label Group/ Rough Trade) der niederländischen Saxofonistin und Sängerin Candy Dulfer wie ein sorgloses „Wir wollen ohne Ende Spaß haben“-Party-Funk-Album. Das ist es auch, und zwar gekonnt, nicht zuletzt dank der Gastbeiträge eines Fachmanns dieses Genres, nämlich Nile Rodgers. Bei den Texten überrascht das Album aber auch mit persönlicheren Botschaften und klaren Statements gegen rechte Gesinnung und jegliche Art der Diskriminierung. Das Partygefühl ist natürlich dennoch erwünscht. Zusammen feiern zu können, ist schließlich auch wichtig.

Candy Dulfer (Foto: Carin Verbruggen)

Gleich in „YeahYeahYeah“, dem ersten Song des neuen Albums, wird Candy Dulfer persönlich: „When Old D would sneak me in, to make me see the greatest“, heißt es da. „Old D“ ist natürlich Candys Vater, der niederländische Jazzsaxofonist Hans Dulfer. Der Mann, der mit seiner wunderbaren Saxofonsammlung die gerade mal sechs Jahre alte Candy dazu inspirierte, sich an dem Instrument zu versuchen.

„Der ‚alte Dulfer‘ hat mich mitgenommen zu den Konzerten von all diesen großen Jazzmusikern, und das hat meine Liebe zu dieser Musik geweckt. Die Liebe zur Livemusik und auch die Liebe zu anderen Kulturen, meine Multikulti-Liebe“, berichtet Candy.

Auch ein Konzert von Sonny Rollins hat sie bereits damals live miterlebt.

„Ich glaube, das war 1977. Das heißt, dass ich acht Jahre alt war. Wahnsinn! Ich weiß noch, dass ich zu meinem Vater nach dem Konzert sagte: ‚Was, es ist jetzt schon vorbei? Er hat nur eine Viertelstunde gespielt!‘ Und mein Vater antwortete: ‚Ja, das scheint so. Aber schau mal, Schatzi, tatsächlich hat er 90 Minuten gespielt.‘ Ich war überrascht und dachte mir, dass ich so etwas auch einmal erreichen will: ein Publikum so mitzunehmen, dass es völlig die Orientierung in Bezug auf die Zeit und den Ort verliert.“

In jedem Fall ist es ihr gelungen, eine über mehrere Jahrzehnte andauernde beachtliche Karriere aufzubauen. Mit 12 steht sie bereits neben der Saxofonistin Rosa King auf der Bühne des North Sea Jazz Festivals. Neben der Veröffentlichung zahlreicher Alben unter eigenem Namen ist sie im Laufe der Jahre auch eine gefragte Begleitmusikerin auf den Bühnen und in Studios. Es kommt unter anderem zu Zusammenarbeiten mit Prince, Van Morrison, Dave Stewart und Maceo Parker.

„Ich habe sehr viel von ihm gelernt“, berichtet Candy etwa über Prince, für den sie mehrere Jahre gespielt hat. „Wie verhält man sich als Bandleader? Wie sorgt man dafür, dass jede Show hundertprozentig stimmt? Aber ich habe auch gelernt, dass ich nicht so wie er sein wollte. Niemals anderen Menschen vertrauen. Immer allein sein. Immer so hart arbeiten. Er war ein Genie, aber auch ein super Mensch, abgesehen von seinen Fehlern in sozialen Kontakten. Ich kann auch gut verstehen, dass sich jeder in ihn verliebte, egal ob Mann oder Frau. Auf dieser Welt gibt es nur alle Jubeljahre einen Beethoven, einen Mozart, einen Jimi Hendrix oder einen Prince. Die sind auch zu Recht speziell. Man sieht es, man riecht es, man spürt es. Sie sind Menschen, aber auch ein wenig wie Engel auf dieser Erde – dann wiederum auch nicht. Man sollte sie nicht wie Götter verehren.“

Deutlich weniger kompliziert war laut Candy der Umgang mit Nile Rodgers, der zwei Songs zu Candys neuem Album beigetragen hat.

„Unser Kontakt fand aufgrund der Pandemie zunächst nur über Zoom statt. Er ist wirklich eine Ausnahme in dieser Welt der Superstars, die alle eher verschlossen sind, sich mit Managern und Bodyguards umgeben. Aber Nile Rodgers geht selbst ans Telefon, wenn du ihn anrufst. Erst in diesem Jahr bin ich ihm tatsächlich begegnet, und wir konnten uns umarmen. Es war wie eine Begegnung mit einem alten Freund.“

Das lockere Partyfeeling des neuen Albums wird gebrochen durch unverblümte Texte, wenn Candy etwa in dem Song „No Time For This“ proklamiert: „I ain’t got time for racism, I ain’t got time for fascism, I ain’t got time for homophobia, I ain’t got time for negative shit.“ Dabei räumt sie ein, dass sie selbst keinen Rassismus erfährt:

„Aber ich muss für andere meine Stimme erheben. Denn ich habe so viel bekommen von dieser multikulturellen Gesellschaft. Die Basis meiner Musik ist afroamerikanisch. Alles, was ich mache, kommt aus diesem Umfeld. Dafür bin ich dankbar. Und es ist auch nicht so, dass ich die Political Correctness erst kürzlich für mich entdeckt hätte. Diesen Gedanken hatte ich bereits, als ich begonnen habe, diese Musik zu spielen. Mit 12 habe ich Kollegen meines Vaters befragt: ‚Ich will eigentlich die Musik von James Brown spielen, aber ich bin weiß und komme aus Amsterdam. Ist das okay?‘ Und ich erhielt die Antwort: ‚Natürlich ist das okay. Wenn du es mit ganzem Herzen machst und wenn du dir bewusst bist, wo es herkommt.‘ Das sind Dinge, die mich schon damals beschäftigt haben.“

Text
Michael Tschernek
Foto
Carin Verbruggen

Veröffentlicht am unter 146, Feature, Heft