Neues Buch: Leverkusener Jazztage

Jazz in LeverkusenJazz in Leverkusen„Für viele der Mitwirkenden war die Arbeit an diesem Buch ein Ausflug in die eigene Vergangenheit“, heißt es im Editorial zur Dokumentation „Jazz in Leverkusen. Vorgeschichte und Anfänge der Leverkusener Jazztage: 1980–1997“, die die langjährige Lokaljournalistin Beatrix Gerling geschrieben und ihr Ehemann Udo Gerling produziert hat: „Einerseits über die hervorgeholten Erinnerungen an Konzerte, deren Vorbereitung und Organisation, andererseits über die Musik selbst. Kaum ein anderer sensorischer Reiz bringt Gefühle ,von damals‘ so eindringlich zurück wie Klänge.“ Das trifft auch auf den Autor dieser Meldung zu, der in den 1980er-Jahren regelmäßig von Bonn aus nach Leverkusen zum Festival fuhr und 1997 die Texte für das Jazztage-Programmheft geschrieben hat. In dem Jahr versuchte er auch, Dewey Redman für Jazz thing zu interviewen, der damals mit dem Schweizer Gitarristen Harald Haerter in Leverkusen auftrat. Aus der großen Story wurde aber nichts, weil dieser afroamerikanische Saxofonist wortkarg blieb und so überhaupt nicht über sich und seine Musik sprechen wollte.

Gerlings Dokumentation zeichnet nicht nur mit den Besetzungen und mehr als 250 Fotos die ersten 18 Jahrgänge dieses traditionsreichen Jazzfestivals akribisch nach. Vielmehr würdigt ihr Buch vor allem die Lebensleistung des Lehrers und Leverkusener Kommunalpolitikers Erhard T. Schoofs (1940–2024), der 1978 zu den Mitgründern des Vereins Jazz Lev gehörte und auch diese Dokumentation angeschoben hat. Die Gaststätte Topos wurde zum Vereinslokal, bald fanden dort die ersten Jazzkonzerte statt. Als dann 1980 das 50-jährige Stadtjubiläum Leverkusens anstand, sagte Schoofs: „Wir machen ein Festival.“ Dafür fanden er und der Verein mit dem Leverkusener Kulturamt einen potenten Finanzier, sodass die ersten Jazztage an zwei Tagen im September 1980 stattfinden konnten; unter anderem mit dem Quintett Changes um Uli Beckerhoff und Wolfgang Engstfeld, dem Dexter Gordon Quartet, der Kölner Jazz Haus Bigband, Jack DeJohnette’s Special Edition und Barbara Thompson’s Paraphernalia.

Ab der zweiten Ausgabe 1981 dauerten die Leverkusener Jazztage in der Regel dann eine Woche und länger. Das Kulturamt blieb bei der Stange und finanzierte die Jazztage weiterhin. „Alle Einnahmen gingen an die Stadt“, erinnert sich Gerling, der ab 1989 selbst beim Kulturamt angestellt war. „Das jeweils für ein Jahr festgelegte Budget wurde zur Begleichung der anfallenden Gagen und weiteren Kosten verwendet. Dabei zahlte die Stadt regelmäßig drauf, für den Verein war die Sache kostenneutral.“

Viele Größen kamen in diesen 18 Jahren zu den Jazztagen nach Leverkusen: Tony Williams und Max Roach etwa, oder Geri Allen, Archie Shepp und Randy Weston, Don Pullen, Eddie Harris, Charlie Haden, das Sun Ra Arkestra, Jan Garbarek, McCoy Tyner, Steve Coleman, Norma Winstone, Jean-Paul Bourelly usw. usf. Auch Miles Davis spielte 1990 dort ein Konzert. Um diese ellenlange Liste mit Namen von Musiker:innen bewältigen zu können, sind die vielen stimmungsvollen und atmosphärisch einmaligen Fotos im Buch (zum Beispiel vom Kölner Hyou Vielz) mehr als hilfreich. Die Dokumentation „Jazz in Leverkusen. Vorgeschichte und Anfänge der Leverkusener Jazztage: 1980–1997“ hat 208 Seiten, kostet 34 Euro und kann über die Buchwebsite online bestellt werden.

Weiterführende Links
„Jazz in Leverkusen“

Text
Martin Laurentius

Veröffentlicht am unter News

Jazzik Electrolights