18: Jazzdor Strasbourg-Berlin

MosaicMosaicDreieinhalb Jahrzehnte lang war Philippe Ochem verantwortlich für das Festival Jazzdor im elsässischen Straßburg. Von Anfang an war es nicht nur sein Anliegen, das Programm eines Festivals für aktuelle, improvisiere Musik zusammenzustellen, sondern auch, Menschen und Musiker/-innen zusammenzubringen und die Konzerte für sie als Gemeinschaftserlebnisse zu gestalten. Darüber hinaus versuchte Ochem stets, Grenzen zu überwinden – imaginäre, zwischen den Kunstgattungen und Musikgenres ebenso wie echte, zwischen Staaten und Völkern. Ihm ging es darum, das Verbindende von Jazz und improvisierte Musik herauszustellen, indem er Musiker/-innen verschiedener Länder und unterschiedlicher Herkünfte und Traditionen auf der Bühne zusammenbrachte. Das war beim Mutterfestival in Straßburg so, das war aber auch bei den Satelliten im deutschen Berlin oder im ungarischen Budapest der Fall.

Vergangenes Jahr wurde Ochem verabschiedet, und der Journalist und Kurator Vincent Bessière übernahm das Ruder, der einerseits sein erstes Programm für Jazzdor Strasbourg-Berlin in diesem Jahr vom 2. bis 5. Juni in der Tradition seines Vorgängers zusammengestellt, andererseits aber auch die ein oder andere Weiche neu gestellt hat. Zum Beispiel hat er die angestammte Spielstätte, das Kesselhaus der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg in Berlin, verlassen, um im Gretchen in Berlin Kreuzberg eine neue Bleibe für Jazzdor zu finden. Durch diesen Umzug verspricht man sich mit der 18. Ausgabe der Berlin-Ausgabe auch ein neues, vielleicht sogar anderes Publikum zu erreichen. So ist dann auch das Programm konzipiert: Es stellt einerseits die Szene improvisierter Musik Frankreichs ins Zentrum, andererseits zeichnet es die Linien nach, die den Jazz aus unserem Nachbarland in die verschiedenen Gegenden der Welt gebracht hat.

Jeder der vier Jazzdor-Abende in Berlin hat ein eigenes Motto. Der erste Tag ist dem Klavier vorbehalten: mit dem Trio Wakan um die französisch-koreanische Pianistin Francesca Han und der Band Rust des jungen Amaury Faye, der sich den amerikanischen Schlagzeuger Herlin Riley als Gast dazu holt. Am zweiten Tag dreht sich alles um Kooperationen von deutschen bzw. in Deutschland lebenden Musiker/-innen, die mit französischen Kolleg/-innen Projekte gestalten – mit dem Trio um den in Berlin lebenden US-Amerikaner Michaël Attias und Hélène Durets Synestet mit dem deutschen Posaunisten Nils Wogram. Während der Donnerstag mit den Bands Trouble und Photon ganz im Zeichen von elektronischen Klängen steht, öffnet sich der Freitag gegenüber den Musiken der Welt, die sich jeweils aus den Herkunftsländern der Bandmitglieder speisen: das paneuropäisch besetzte Quartett Garden Of Silence um den Geiger Clément Janinets und das Sextett Mosaic um die junge Cellistin Adèle Viret.

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Jazzdor Strasbourg-Berlin

Text
Martin Laurentius
Foto
Valentine Jamis

Veröffentlicht am unter News

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