Berlinale: Jazz- und Musikfilme

Everybody Digs Bill Evans„Everybody Digs Bill Evans“In Berlin haben gestern die 76. Internationalen Filmfestspiele unter der Leitung von Tricia Tuttle begonnen. Im Feld der Wettbewerbsfilme finden sich auch zwei musikalische Kandidaten für den Goldenen Bären. Der biografische Film „Everybody Digs Bill Evans“ widmet sich in schwarz-weißen Rückblenden einem kritischen Kapitel in der Karriere des Pianisten Bill Evans: den Village-Vanguard-Sessions im Juni 1961, dem darauffolgenden Unfalltod seines Bassisten Scott LaFaro und seiner anschließenden Schaffenskrise. Die irisch-britische Koproduktion ist der erste Spielfilm von Grant Gee, der zuvor vor allem Dokumentarfilme drehte, unter anderem über die Bands Joy Division und Radiohead. Ebenfalls im Wettbewerb läuft der österreichische doku-fiktionale Beitrag „The Loneliest Man In Town“ von Tizza Covi und Rainer Frimmel über einen Wiener Blues-Musiker (Alois Koch), der nach dem Verlust seiner Frau auch um seine Musiksammlung fürchten muss.

Zu den Beiträgen mit Musikbezug im „Panorama“ gehören das Drama „Narciso“ über einen Rock’n’Roll-DJ, der sich 1959 mit der Militärdiktatur in Paraguay anlegt, sowie die Mockumentary „The Moment“ mit Charli XCX. Im „Forum“-Programm läuft mit „Joy Boy – A Tribute To Julias Eastman“ eine Koproduktion aus Belgien, Frankreich und der DR Kongo, in der Stimme und Musik des 1990 verstobenen Komponisten als Basis für eine „transnational-kollektive Performance“ dienen. Die diesmal unter dem Motto „Lost in the 90s“ stehende Retrospektive würdigt mit drei Filmen die HipHop-Kultur der 1990er: John Singletons Coming-of-age-Drama „Boyz n the Hood“ (1991) mit Cuba Gooding Jr. und Ice Cube in seiner ersten Filmrolle, das Ostküsten-Gegenstück „Juice“ (1992) mit dem ebenso jungen Tupac Shakur sowie Spike Lees bitterböse Satire „Bamboozled“ (2000), in der neben Damon Wayans und Jada Pinkett Smith auch Yasiin Bey (damals Mos Def) und MC Serch (3rd Bass) auftreten.

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Text
Eric Mandel
Foto
Shane O’Connor Cowtown Pictures

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