Es ist so eine Sache mit der Widerspiegelung der Wirklichkeit, vor allem wenn diese für sich schon nicht nur schön ist. Wenn sie vollgestellt ist mit Formen und Farben, mit Rhythmen und Geräuschen, für die es keine Vorfahrtsregeln und Verbindlichkeiten gibt. Mit New Customers, seinem neuen Berliner Septett, und dem gleichnamigen Album formuliert der britische Pianist Mark Pringle den Anspruch, die Wirklichkeit der Überschussgesellschaft musikalisch widerzuspiegeln, das Tohuwabohu von Informationen und Zeichen in einer Gesellschaft am Rande von Burn-out und Nervenzusammenbruch. Stellen sich nur ein paar Fragen: Gelingt ihm das? Löst die Musik diesen Anspruch ein? Und ganz wichtig: Taugt die Musik vielleicht trotzdem? Hat sie vielleicht sogar eine sinnliche Komponente? Im Fall von New Customers werfen all diese Fragen eine Reihe von Ambivalenzen auf. Super Musiker, interessante Klänge und Farben, dichte, zerklüftete Strukturen. Und sonst so?
Text
Stefan Hentz
Ausgabe
, Jazz thing 162
Veröffentlicht am 29. Jan 2026 um 07:58 Uhr unter Reviews