Lisa Wulff

Hand auf's Herz

Laika/Galileo MC

Lisa Wulff – Hand auf's Herz (Cover)Einen deutschen Titel für eine Jazzproduktion zu wählen, das birgt selbst im Jahr 2026 noch Risiken. Im Englischen gibt es keine wörtliche Entsprechung für das, was Lisa Wulff mit „Hand Auf’s Herz“ aussagen will, vielleicht „To be honest“. Aber wie klingt das? Manches muss man trotz aufspringender Klischeeschubladen auch nicht zwanghaft übersetzen, genauso wenig wie den herrlichen deutschen Terminus „Etikettenschwindel“ (Mislabeling?), bei dem Claus Stötter am Flügelhorn die i-Tüpfelchen setzt. Denn wer unbedingt will, kann die Bassistin und ihr neues Werk auch bewusst missverstehen. Mehr noch als auf ihrem ambitionierten Vorgänger „Poison Ivy“ (2023) geht es ihr um Aufrichtigkeit und Sinn. Denn seither ist eine Menge passiert, welt- wie auch kulturpolitisch. Deshalb agiert Wulff nun noch einen Tick freier, avantgardistischer, rockiger, was nicht zuletzt der neuen, dezent dreckigen Klangfarbe von Sven Kerscheks Gitarre in Titeln wie „Whose Bill“ oder „Blood Is Thicker Than Water“ zu verdanken ist. Man könnte es auch befreiter nennen, vor allem in ihrem Job als Bandleaderin und Komponistin, in dem sie jetzt endgültig angekommen ist.

Text
Reinhard Köchl
, Jazz thing 162

Veröffentlicht am unter Reviews

jazzahead! 2026