Gitarrist Jonas WindscheidJonas WindscheidDer Bandname Paintbox ist durchaus Programm: „Mit dem Begriff Malkasten wollte ich andeuten, dass es mir darum geht, zu experimentieren, und dass die Band eine Art Labor ist“, macht der Gitarrist und Bandleader Jonas Windscheid in der aktuellen Ausgabe von Jazz thing deutlich: „Frühe Versuche, Elektronik einzubinden, haben mir allerdings nicht so gefallen. Ich hatte das Gefühl, dass das meine Art zu komponieren einschränkt. Ich wollte lieber neue Akkordfolgen und verschiedene Arten zu schreiben entdecken. Deshalb bin ich sehr froh, seit einiger Zeit mit Hans Feigenwinter einen tollen Pianisten an Bord zu haben.“ Auch der Titel des in unserer CD-Edition „Jazz thing Next Generation“ erschienenen Debütalbums, „Ven“ (Double Moon/in-akustik), spielt mit dem „Laborgedanken“: Ven ist der Name einer Insel im Öresund zwischen Dänemark und Schweden, die im 16. Jahrhundert der dänische König dem Astronom Tyhe Brahe geschenkt hat, um frei von materiellen Zwängen zu forschen. „Das ist für mich eine Parallele – so einen Freiraum, in dem man sich über nichts mehr Sorgen machen muss, hätte ich auch gern, und deshalb habe ich die Platte nach dieser Insel genannt.“

Windscheid, der unter anderem in Basel bei Wolfgang Muthspiel studierte, hat im Studio acht Originalkompositionen eingespielt, die sowohl seine gitarristischen Stärken als auch seine kompositorische Rafinesse unterstreichen. Rhythmisch, harmonisch und melodisch spiegelt Windscheids Modern Jazz eine Komplexität wider, die indes ausreichend Raum haben, um die improvisatorischen Stärken der fünf Musiker hervorzustreichen. Vor allem in den Balladen demonstriert Windscheid seine instrumentaltechnische Klasse: In langsamen Tempi kommt seine verwinkelte Linienführung auf der Gitarre erst richtig zur Geltung, hier kann er mit den Ausdrucksmöglichkeiten seines Instruments experimentieren und seine Emotionalität und seinen Variantenreichtum ausspielen. Für „review plus“ haben wir uns dennoch für einen Song im mittleren Tempo entschieden: „Yasola“ besticht durch ein verschachteltes Thema, unisono gespielt von Windscheid und Saxofonist Andreas Böhlen, gefolgt von einem Solo-Chorus mit eloquent phrasierten Single-Notes des Bandleaders – als Stream zum Hören ebenso wie zum „Free Download“.

Weiterführende Links:
Paintbox in „Jazz thing Next Generation“

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

Veröffentlicht am unter News, plus, Reviews
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