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Ein Grund zum Feiern – und die Gelegenheit für ein besonderes Schmankerl: das Beste aus sieben Jahren Nachwuchs-Projekt in Sachen Jazz auf einer Heft-CD (Ausgabe 86).

The Best Of Jazz thing Next GenerationSo viele jazzmusikalische Hoffnungsträger aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wie heute hat es wohl nie zuvor gegeben. Und so viele verschiedene Facetten auch nicht – wie man auf der CD hören kann. Wie heißt es so schön? Jazz flows in all directions. 80 Minuten, 15 Titel.– Suche: Nachwuchs.
– Biete: eigene CD.
Unter dieser Überschrift platzierten wir im November vor sieben Jahren einen Aufruf, der sich an junge Musiker wandte, die noch kein Album bei einem etablierten Label herausgebracht hatten. Unsere Kolumne „Homegrown“ hatte die Zeichen erkannt und sich schon länger überwiegend mit Tonträgern befasst, die unbemerkt und unabhängig von der Musikindustrie entstanden. Solchen Talenten wollten wir eine Starthilfe anbieten.

Viele Bands haben seitdem ihre Tonträger eingereicht; nicht alle der qualitativ hohen Produktionen konnten berücksichtigt werden, aber seither wird fünfmal pro Jahr parallel zum Heft das Album eines Hoffnungsträgers des Jazz veröffentlicht. Die Reihe „Jazz thing Next Generation“, seit Beginn eine gleichberechtigte Kooperation mit Volker Duecks Label Double Moon, ist längst als Plattform etabliert.

„Man darf sich freuen, dass es hierzulande so viele Jazztalente gibt“, jubelte die Zeitschrift Stereo, als die ersten acht CDs unserer Reihe draußen waren. Und 2006 hieß es dort:„Die junge deutsche Jazzszene boomt: eine Entwicklung, der nicht zuletzt auch die Plattenfirmen zunehmend Tribut zollen. Oder ist es vielmehr umgekehrt so, dass man aufgrund des besonderen Engagements einiger rühriger Jazzlabels erst auf die hiesigen Talente aufmerksam geworden ist? Sei es, wie es sei, dem Jazzinteressierten kann es nur recht sein. Die CD-Reihe ‚Jazz thing Next Generation‘ verdient alle Aufmerksamkeit, präsentiert sie doch auf hohem musikalischem Niveau die Debüts der unterschiedlichsten Musiker.“Die Aufmerksamkeit der Presse reichte schon damals vom Rolling Stone über den Spiegel bis hin in die großen Feuilletons von Zeit, FAZ & Co. Und die Kollegen vom Jazz Podium analysierten: „Keine Frage: Jede Menge Zukunft im Nachwuchslager!“

Diese Zukunft hat für die Bands der JTNG-Reihe gut begonnen: Sie spielen regelmäßig auf Festivals und in den angesagtesten Clubs, ihre CDs verkaufen sich vierstellig, manche Festivals haben der Reihe einen eigenen Platz eingerichtet wie die Jazzwoche Burghausen oder Palatia Jazz.

Manche Bands und Musiker haben nach ihrem Debüt auch einen Vertrag bei etablierten Labels bekommen: Das Ensemble Cyminology hat bei ECM veröffentlicht, das Frederik Köster Quartett musiziert bei Traumton, Benjamin Schaefer ist bei enja gelandet, Esther Kaiser singt erst mal für Minor Music, dann für GLM.

Einige Musiker sind inzwischen auch mit Preisen ausgezeichnet worden, etwa Frederik Köster. Für sein Album „Zeichen Der Zeit“ (Traumton/Indigo) erhielt er den ECHO Jazz als Instrumentalist des Jahres in der Kategorie Blechblasinstrumente/Brass. Und auch der WDR Jazzpreis zeichnet Köster in diesem Jahr in der Kategorie „Improvisation“ aus.

Alle Musiker unserer Reihe haben es verdient, entdeckt zu werden. Und wie man sieht: Es funktioniert.

Das „Best of Jazz thing Next Generation“–NACHWUCHSTEAM

Tim Rodig 5. Zum zehnjährigen Jubiläum seiner hanseatischen Allstar-Band debütierte der Tenorsaxer mit „Floating Around“ in der JTNG-Reihe. Mit dem Trompeter Claas Überschär, Buggy Braune am Klavier und E-Piano, Oliver Karstens am Kontrabass und Ole Seimetz am Schlagzeug streift er durch Hardbop und Funkiness, Bebop und Soul. Zum Auftakt von „The Best Of Jazz thing Next Generation“ gibt es Rodigs „Pussy Galore“, einen urbanen Funk mit Bluesstruktur – coole Töne aus der Großstadt.

Croomp. Die Posaunistin Petra Krumphuber ist Wahlberlinerin mit österreichischen Wurzeln. Ihr Septett präsentiert sich auf „Ephescopeology“ als lockeres Kollektiv, das im Arrangement dem Leinenzwang der Chefin gehorcht, aber auch verwegene Freiheiten sucht und findet. Was anfangs noch introvertiert daherkommt, beschreitet wenig später zappaeske Wege und landet fast auf der freien Wildbahn. Umwerfend, finden wir.

Metamorphosis. Der Züricher Komponist und Saxofonist Rafael Baier beruft sich mit seinem akustisch angelegten Projekt Metamorphosis auf die traurige Geschichte von der schönen Seejungfrau, die sich hoffnungslos verliebt. Für deren Rolle gewann er die junge Sängerin Ingrid Lukas aus Estland. Mit ihrem hinreißend schönen, warm und zart klingenden Timbre haucht sie den Liedern eine Atmosphäre voller Melancholie ein. Mit „Un Retour?“ belegt Baier, dass ein Jazzmusiker keine Scheu vor Dramatik haben muss. Vor Pop auch nicht.

Ignaz Dinné. „Back Home“ ist das Titelstück auf dem Debüt des Altsaxofonisten, der zehn Jahre in den USA lebte und mit Größen wie Herbie Hancock, Wayne Shorter oder Ron Carter auf der Bühne stand. Das Thema ist mit der gelassenen Eleganz eines urbanen Blues dekoriert, es könnte von Cannonball Adderley stammen. Aber Dinné ist drüben durch die harte Schule gegangen und zu einem souveränen Komponisten gereift. Das stellt er hier unter Beweis. Bei uns läuft der Track immer wieder.

Nadia Maria Fischer. Sie interpretiert zwar auch die Songs anderer – auf „Talk“ etwa Steve Winwood oder Abbey Lincoln –, aber die eigenen Lieder spiegeln ihre Gefühle in einer Unmittelbarkeit und mit einer Intensität wider, wie man sie selten hört. Die in Köln geborene Sängerin wagt bei „Sorry“ das Spiel mit minimaler Besetzung: Lediglich die Gitarre von Norbert Scholly und Dietmar Fuhrs Bass interagieren mit der Stimme Nadias, die so melancholisch wie romantisch klingen kann. Wahnsinnig intim.

Max Frankl. Einer aus Weilheim, jenem Nest im oberbayerischen Voralpenland, das in den vergangenen Jahren so viele Musiker in die Jazzszene geworfen hat wie kaum eine andere Kleinstadt. Der Max hat zwar auf der klassischen Gitarre begonnen, ist dann aber vom Jazz infiziert worden, hat beim Nachbarn Johannes Enders gelernt, ist über diesen bei Wolfgang Muthspiel untergeschlüpft. Ein Ergebnis ist das Titelstück des JTNG-Albums „Sturmvogel“. Und das „gehört zum Besten, was die letzten Jahre jazzgitarristisch in Europa passiert ist“, sagt Gitarre&Bass. Die Saitenspezis müssen es ja wissen.

Andi Kissenbeck. Mathelehrer hat er gelernt, als Hammond-Fan ist er Profimusiker geworden, als Musikwissenschaftler hat Andi Kissenbeck Standardwerke über Jazztheorie verfasst. Dass seine Helden Jimmy Smith oder Jack McDuff heißen, verrät das Debüt seines Club Boogaloo – wie auch dessen Name von einem legendären Album mit dem Organisten Lonnie Smith entlehnt ist. Auf „Refinnej Blues“ dampft Kissenbeck mit seinem Quintett durch ein flottes Eigengewächs, bei dem Gitarrist Torsten Goods höllisch groovt. Aber was ist Refinnej? Lesen Sie mal rückwärts.

Sebastian Gahler. Mit den Kollegen Nicolas Brandenburg (Bass) und René Marx (Drums) fiel uns der Düsseldorfer Pianist unter zahlreicher Konkurrenz in der Königsdisziplin des Jazz auf, weil bei diesem Trio alles passt – Ideenreichtum, Stimmungen, Simplizität. „Meditation“ ist der treffende Titel für sieben Minuten blinden, instinktiven Verständnisses zwischen drei Musikern, die frei von jedem Druck agieren. Gahler nennt es „nur Musik machen“.

Cyminology. Das sind die Deutsch-Iranerin Cymin Samawatie, Pianist Benedikt Jahnel, Bassist Ralf Schwarz und der in Neu Delhi geborene Trommler Ketan Bhatti. Das Berliner Quartett verbindet alte persische Gedichte mit impressionistischen Klangfiguren; jazzige Rhythmen begleiten die Vokalisen von Cymin, die in vielen Farben singt. Wie zart Klavier und Stimme im hübschen Motiv miteinander agieren können, wie viel Freiheit sich die Band danach gönnt und wie der Drummer schließlich die Akzente setzt, das gibt
es bei dem Lied „Owas“ zu entdecken. „Besser kann man kaum den Weg einschlagen, um mit Mitteln der Kunst Brücken über die Gräben zu schlagen“, urteilte das Jazz Podium.

Frederik Köster Quartett. Der ECHO-Jazz-Preisträger leitete sein Quartett schon ein paar Jahre, bevor er 2006 den Erstling veröffentlichte. Mit Bassmann Robert Landfermann, Tobias Hoffmann (Gitarre) und Ralf Gessler (Drums) sowie dem Saxofonisten Paul Heller als Gast sorgte „Constantly Moving“ für Furore. Kösters „200 Turkeys“ hüpfen zu einem quirligen Motto los und legen sich dann ganz exakt schräg in Stellung, wenn die Musiker furios die Räumlichkeiten ausloten.

Lisbeth Quartett. „Ich suche die Melodie“, sagt Charlotte Greve, deren zweiter Vorname Elisabeth ist. Das Ensemble der Saxofonistin, die mit weichem Ton und einem Gefühl für lyrische Melodien spielt, geht unaufgeregt ans Werk. „Man kann das simpelste Stück schreiben, von mir aus nur mit zwei Akkorden. Aber es muss eine klar erkennbare Linie besitzen“, sagt Charlotte. Pianist Manuel Schmiedel hat das in Teilen fast kammer-musikalische Stück „False“ komponiert, maßgeschneidert für Lisbeth.

>Esther Kaiser. Sie hat in Berlin Jazzgesang studiert und auf „Jazz Poems“ ihre vielen Seiten offenbart: Piazzolla, Sting, Monk hat Esther Kaiser mit sanfter Eleganz zu ihrem Eigenen erklärt und uns damit überzeugt. Ihr Debüt war zugleich auch das Debüt der JTNG-Reihe. Seitdem hat sie zwei weitere Solo-Alben veröffentlicht, zuletzt bei GLM. Und dass sie auch selber schöne Songs schreibt, demonstriert die schöne Frau mit „Miriam“.

Benjamin Schaefer. Als der Pianist hörte, dass wir sein eingereichtes Demo veröffentlichen wollten, war er perplex, zog erst mal die Bremse und nahm mit seinem Trio alles noch einmal in einem richtigen Studio auf. Mit dem romantisch verspielten „Waltz For Richie“ eröffnete der damals gerade 23-Jährige ein Album, das ausschließlich aus reifen eigenen Kompositionen besteht und dessen Titel als Motto Schaefers gelten könnte: „Shapes And Colours“. Das WDR Radio 5 freute sich: „ein Karrierestart nach Maß“.

Felix Heydemann Groove Connection. Der Kölner Gitarrist schickte sein Start-Album vorsichtshalber an John Abercrombie. Bei ihm hatte er nämlich fünf Monate studiert, und dessen Vorliebe für fette Grooves und voll swingende Hammond-Sounds teilt Heydemann durchaus, wie die Auskopplung „Hip Teens“ beweist. Abercrombie bedankte sich bei seinem Eleven mit lobenden Zeilen fürs Textheft: „Contemporary music that grooves and has connection to the tradition of all great jazz.“

Tré. Posaune, Saxofon, Schlagzeug. Bamert, Lüthi, Niederer. Die drei Schweizer frönen dem Ursprung des Brass-Grooves aus New Orleans ebenso wie dem guten alten Bebop, haben Spaß hoch drei an verquerem Pop und Drei-Minuten-Chaos sowieso. Auch Vertracktes vom Balkan kann dieses Trio zu frechem Kram inspirieren. Das nicht mal drei Minuten lange „Bigmama“ huldigt diversen Einflüssen und ist dennoch ein ganz eigenes flottes Teilchen geworden. Im Homeland des wahren Blechs würden sie den Schweizern nicht nur dafür eine fette Gumbo spendieren.

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