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Sie gehört nicht unbedingt zur Kategorie „Lautsprecher“. Dass Petra Krumphuber dennoch eine ganze Menge zu sagen hat, liegt an ihren Alternativen zur verbalen Kommunikation. Die Wahlberlinerin aus Oberösterreich benutzt viel lieber ihre Posaune und ihre Band Croomp, um sich dem Rest der Welt mitzuteilen. Nun darf sie das sogar als Nummer 25 der Reihe „Jazz thing Next Generation“. Versprochen: Da klingen einem die Ohren!

Croomp - On The Loose

„Tach!“ Das wars dann auch schon. Keine schnoddrige Kodderschnauze, kein künstlich aufgesetztes Business-Hochdeutsch. Petra Krumphuber spricht immer noch, wie ihr der oberösterreichische Schnabel gewachsen ist. Und das, obwohl sie schon seit 1999 mitten in der bundesrepublikanischen Hauptstadt lebt. „Zuletzt ist mein Dialekt sogar noch schlimmer geworden“, wundert sich die Posaunistin in ihrer Berliner Wohnung selbst ein wenig. Denn normalerweise wirken Brandenburger Tor, Alexanderplatz, Prenzlauer Berg und die ganze Subkultur wie ein Strudel, dem niemand entkommen kann und der ganz zwangsläufig gewisse Anpassungseffekte nach sich zieht. Wenn Menschen verschiedener Sprachzonen urplötzlich zu berlinern beginnen, dann tun sie dies zwar weitgehend unbewusst, aber in der besten Absicht, mit dieser pulsierenden Metropole zu verschmelzen. Doch bei der 31-Jährigen passiert das genaue Gegenteil.

Was mitnichten bedeutet, dass sich Petra Krumphuber insgeheim wieder nach ihrer Heimat sehnen würde, dorthin, wo alles ein bisschen gemütlicher und vorhersehbarer abläuft. Damals kam sie frisch vom Bruckner-Konservatorium in Linz, zwar mit Auszeichnung und Diplom, aber auch einer gewissen Ratlosigkeit im Gepäck. „Ich hätte mich beim Landesmusikschulwerk Oberösterreich bewerben können, für einen Job, von dem man halt leben kann: Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, Unterrichten und nebenbei ein bisschen Spielen. Doch dafür habe ich mich einfach noch zu jung gefühlt. Außerdem konnte ich mir nicht vorstellen, den Rest meines Lebens an der Schule zu verbringen.“ Irgendwann saß sie dann im Zug gen Norden, „weil mich Berlin schlichtweg anzog. Hier ist es spannend, und vor allem liegen die Lebenshaltungskosten für eine europäische Großstadt noch in absolut vertretbarem Rahmen.“

Mitunter mag es ganz heilsam sein, sich einen anderen Wind um die Nase wehen zu lassen. Es lebe der Gegensatz: Von einem 2.500-Einwohner-Ort im Alpenvorland in das Millionen-Kaff an der Spree. Ein halbes Jahr hatte sie zunächst dafür eingeplant; ein paar Jobs, Leute kennen lernen, ein bisschen Musik machen. Nun sind es deren neun geworden. Und ein Ende des Abenteuers ist immer noch nicht in Sicht. „Ich hätte mir nie vorstellen können, so lange hier zu bleiben“, sagt die Frau aus dem Nachbarland. Dann gelingt ihr auch noch der Coup, mit Band und CD in eine der erfolgreichsten Veröffentlichungsreihen für Nachwuchsmusiker zu schlüpfen, nämlich „Jazz thing Next Generation“. Sogar Folge 25. Ein kleines Jubiläum.

Petra Krumphuber nennt ihr Quintett um Silke Eberhard (Saxofon, Klarinette), Johannes Haage (Gitarre), Simon Bauer (Bass) und Kay Lübke (Drums) verwegen und aus durchaus einsehbaren Gründen Croomp. „On The Loose“ (Double Moon/SunnyMoon) heißt der dazugehörige Silberling. „Man wird entlassen, in die freie Wildbahn sozusagen. Nach mehreren Jahren als Sidewoman in verschiedenen Bands hatte ich einfach Lust, meine eigene Musik umzusetzen. Gleichzeitig bedeutet being on the loose so was wie sich amüsieren. Das möchte ich natürlich auch.“

Der Spaß ist in jeder Note nachvollziehbar. Wenn Croomp loslegen, dann klingt das kratzig und ungebürstet. „In manchen Clubs gilt unsere Musik als zu mainstreamlastig, andere dagegen halten sie für zu avantgardistisch“, beschreibt Petra Krumphuber den Zwiespalt, in dem sich die fünf offenbar pudelwohl fühlen. Und die Wahrheit liegt tatsächlich in der Mitte. So taucht aus dem Posaunentrichter der Bandleaderin eine Spieltechnik auf, die kurioserweise im modernen Jazz dieser Tage so gut wie nie zu hören ist – was deren Erfinder schon zu Lebzeiten bekümmerte. Denn Krumphuber reanimiert so ziemlich als Erste Albert Mangelsdorffs legendäre Multiphonics, diese auf Differenztonbildung aufgebaute, mehrstimmige Eigenart, eine Note zu singen und eine andere zu spielen. Dadurch entstehen Obertöne und Akkorde

„Die Multiphonics sind ein riesiges Feld, dem ich mich noch viel intensiver widmen möchte. Eine ganz glatte Posaune hat mich eigentlich nie interessiert. Ich finde es toll, wenn die Zuhörer auch mal kurz die Ohren anlegen, weil da viel Energie daherkommt. Die Qualität, diese Energie rüberzubringen, hat eine Posaune sicherlich in größerem Maße als eine Querflöte. Außerdem besitzt das Instrument auch etwas sehr Physisches.“

Selbst an den Titeln des von der Leine gelassenen Musikerkollektivs wird offenbar, dass die Musik im positiven Sinn aus jedem Rahmen fällt. „Frühstück Mit Pinguin“ etwa, „Ephescopeology“ oder „Stuttered State Of Mind“. Allesamt Stücke, die genügend Raum lassen, sich gegenseitig, aber auch das Publikum zu verblüffen. Der etwas introvertierten Posaunistin fällt es hin und wieder leichter, sich mit Hilfe ihres „Knochens“, ihrer Kompositionen oder ihrer Band mitzuteilen als mit Worten. Denn Musik zu machen, das sei eine völlig andere Ebene des Ausdrucks, findet Petra Krumphuber

„Man erzeugt auf Instrumenten regelmäßige Schwingungen, dann kommen Leute, die sich das anhören und hoffentlich in irgendeiner Form berührt werden, sei es, dass sie es ganz toll oder ganz schrecklich finden. Das gefällt mir an der Musik: Sie hat keinen Zweck, keine Botschaft, keinen Inhalt, selbst wenn es Texte gibt oder alles mit einer bestimmten Intention geschrieben wurde.“

Deshalb will sich die Posaunistin auch keine weiteren Gedanken machen, warum ihr die krummen Sachen mehr liegen als der glatte Wohlklang. „I kanns net sagn“, zuckt die Wahl-Berlinerin mit einem schüchternen Lachen die Achseln. „Eigentlich bin ich ja nicht das Ober-Raubein, sondern eher das Gegenteil. Vielleicht ist das aber auch eine andere Seite meines Wesens.“ Womit eines auf der Hand liegt: Wer dem Phänomen Petra Krumphuber auf die Schliche kommen möchte, der muss nicht nur mit ihr reden, sondern sie auch spielen hören. Überraschung programmiert.

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