RIP: Sly Dunbar

Seinen Spitznamen verdankt Dunbar seiner Vorliebe für den US-Musiker Sly Stone. Die internationale Bühne eroberten Sly & Robbie als rhythmisches Rückgrat der Tour-Band von Peter Tosh und des Trios Black Uhuru. Als Island-Chef Chris Blackwells bevorzugtes Drum&Bass-Gespann spielten sie in dessen Compass Point Studios auf den Bahamas Rhythmen für unter anderen Gwen Guthrie, Bob Dylan und drei dort entstandene Alben von Grace Jones ein sowie die eigene LP „Language Barrier“ (1985). Dass sich das jamaikanische Publikum derweil vom Roots Reggae ab- und dem elektrischen Dancehall zuwandte, stoppte nicht ihren Innovationsdrang. Das von ihnen 1978 gegründete Taxi Label mit Künstlern wie Gregory Isaacs, Ini Kamoze und Half Pint wurde zu einem der wichtigsten Dancehall-Labels und der von ihnen kreierte Rub-a-Dub-Stil für ein paar Jahre zur Norm. Neue elektronische Instrumente wie Synthesizer und Drumcomputer wurden von Dunbar umgehend für eigene Zwecke verwendet. So „programmierte“ er den Riddim des stilbildenden Titels „Murder She Wrote“ von Chaka Demus & Pliers.
In den folgenden Jahren kollaborierten Sly & Robbie regelmäßig mit Bill Laswell, der sie auch prominent auf Herbie Hancocks Album „Future Shock“ besetzte und ihr Album „Riddim Killers“ (1987) produzierte. Weitere Alben entstanden mit Rapper KRS-1, TripHopper Howie B., dem 2023 verstorbenen Detroiter Sänger Amp Fiddler, dem finnischen Techno-Produzenten Vladislav Delay und dem norwegischen Trompeter Nils Petter Molvær. Bis zu Shakespeares Tod 2021 blieben die auch „Riddim Twins“ genannten Sly & Robbie unzertrennlich und konnten in fast jedem Stil zu Hochform auflaufen. Dunbar hinterlässt seine Frau, Thelma, und ihre gemeinsame Tochter Natasha, eine gewaltige Discografie und eine große Lücke nicht nur in der Reggae-Welt.




