RIP: Palle Danielsson

Palle DanielssonPalle DanielssonUm als Jazzmusiker nicht nur in Skandinavien bekannt zu werden, suchten Anfang der 1970er-Jahre die beiden Norweger Jan Garbarek (Tenorsaxofon) und Jon Christensen (Drums) Gleichgesinnte auch in Schwedens Hauptstadt Stockholm. Sie fanden diese in dem Pianisten Bobo Stenson und dem Bassisten Palle Danielsson. Wie sie auch waren die beiden Schweden zu der Zeit auf der Suche nach Eigenem, Persönlichem und Authentischem in der Improvisationsmusik, die sie spielen wollten. Es sollte eine Musik sein, die das afroamerikanische Erbe des Jazz verkörperte, aber gleichzeitig auch im musikkulturellen Terroir Europas verwurzelt war. Bald schon waren Garbarek, Stenson, Danielsson und Christensen ein Quartett und veröffentlichten auf ECM Records unter anderem das Album „Witchi-Tai-To“, das bis heute noch fast so etwas wie ein Monolith im Katalog dieser renommierten Münchner Plattenfirma ist.

Im Nukleus dieses neuartigen Jazz aus Europa stand also auch der Bassist Danielsson, 1946 in der schwedischen Hauptstadt geboren. Als Kind lernte er Mundharmonika, später kam die Violine hinzu. In der ersten Hälfte der 1960er-Jahre studierte er an der Königlich Schwedischen Musikakademie in Stockholm klassischen Kontrabass, war aber damals schon in seiner Heimat ein aufstrebender Jazzmusiker. So hörte ihn zum Beispiel 1965 der amerikanische Pianist Bill Evans, der den jungen Schweden vom Fleck weg für einen Auftritt in Stockholm engagierte. Gleichsam den Ritterschlag erhielt Danielsson dann zusammen mit Garbarek und Christensen, als die drei Skandinavier mit dem Pianisten Keith Jarrett bis 1979 dessen European Quartet bildeten. Mit dem US-Amerikaner glückte ihnen in diesen Jahren der Brückenschlag zwischen dem afroamerikanischen Jazz und einer europäischen Improvisationsmusik.

Seitdem war Danielsson international ein gefragter Sideman. Auf dem Kontrabass hatte er diesen gleichermaßen erdigen wie sonoren Ton, er konnte urplötzlich aus einer groovenden Ostinato-Figur in ein rhythmisch freies Flirren wechseln, wenn es der improvisatorische Fluss erforderlich machte. Zudem besaß er ein untrügliches Gespür für dynamische Prozesse und experimentierte gerne mit nicht alltäglichen Parametern zur Improvisation – wie zum Beispiel mit Time oder Klangfarbe. Diese Qualitäten des Schweden wusste Charles Lloyd ebenso für sich zu nutzen wie Michel Petrucciani, Peter Erskine oder Tomasz Stańko. Dass Danielsson bei anderen so gefragt war, ist wohl auch der Grund gewesen, warum er nur wenige Alben unter eigenem Namen veröffentlichte und das Spielen in kooperativen Gruppen bevorzugte. 2008 wurde der Bassist mit dem schwedischen Jazzpreis „Django D‘Or“ in der Kategorie „Master Of Jazz“ ausgezeichnet, vergangenes Jahr ehrte ihn der „Riksförbundet Svensk Jazz“ für sein Lebenswerk. Am 18. Mai ist Paul „Palle“ Danielsson im Alter von 77 Jahren gestorben.

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Martin Laurentius
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CC BY-SA 4.0/Hreinn Gudlaugsson

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