Köln: Joachim Kühn & Matthias Schriefl

Joachim KühnJoachim KühnOft werde er wohl nicht mehr auf der Bühne zu hören sein, meinte neulich der Pianist Joachim Kühn, wegen seines Alters (Kühn wurde 1944 geboren) wolle er bald keine Konzerte mehr spielen. Vielleicht eines der letzten Live-Konzerte mit diesem meisterhaften, international so renommierten Pianisten wird es am 20. und 21. Januar im Kölner Stadtgarten geben. Dann ist Kühn sowohl mit einem unbegleiteten Klaviersoloprogramm zu hören als auch im Duo mit dem Trompeter und Multiinstrumentalisten Matthias Schriefl. Die beiden lernten sich vor 15 Jahren im Euopean Jazz Ensemble des Viersener Bassisten Ali Haurand kennen. Damals nahmen sie sich vor, irgendwann im Duo öffentlich spielen zu wollen. 2019 trafen sich Kühn und Schriefl beim Deutschen Jazzfestival Frankfurt wieder und jammten hinter der Bühne zusammen, aber ohne Publikum.

Nun kann man in Köln die Premiere ihres generationsübergreifenden Duos live erleben. Man kann es sich gut vorstellen, wie die Funken stieben werden, wenn Kühn und Schriefl aufeinander treffen. Drüben ist der fast 80 Jahre alte Pianist, der es sich noch immer nicht nehmen lässt, mit offenem Visier die Klingen kreuzen zu wollen, und hüben der beinahe 40 Jahre jüngere Trompeter und Multiinstrumentalist, der diese Herausforderung mit Chuzpe annimmt und kontert. Doch sind beide auch zu sehr mit Leib und Seele Jazzmusiker, denen das Kompetitive im Grunde fremd ist und die viel lieber spielgewitzt und mit Humor die Möglichkeiten der Interaktion, der Kommunikation und des Dialogs suchen.

Zudem wird Kühn am Samstagabend rund eine Stunde lang solo zu hören sein. Vielleicht spielt er dann sein Balladenprogramm, dass er am Anfang der Corona-Pandemie für das Album „Touch The Light“ (ACT/edel) umgesetzt hat. Denn das Überraschende ist die Art und Weise seiner Interpretationen: Den solo gespielten Balladen geht jedes Zirzensische ab, es fehlt das expressive und hochvirtuose Spiel, für das der Pianist ebenso berühmt wie berüchtigt war und ist. Stattdessen gibt es einen unbekannten Kühn zu entdecken: den introspektiven Jazzmusiker, der jedem Ton und jeder Note ausgiebig Raum und Zeit lässt, um sich vollständig entwickeln zu können.

Weiterführende Links
Joachim Kühn & Matthias Schriefl im Stadtgarten

Text
Stefan Franzen, Martin Laurentius & Rolf Thomas

Foto
Silvio Magaglio

Veröffentlicht am unter News

Michael Wollny