Gestorben: Mory Kanté

Mory KantéMory Kanté

Im Zusammenhang mit seinem Namen fiel oft die Bezeichnung Electro-Griot: Der Guineer Mory Kanté war nicht nur einer der ersten, der afrikanische Musik elektrifizierte, er war überhaupt einer der ersten Stars des Ethno-Pop, der in den späten 1980ern dazu beitrug, dass die Musikindustrie das Prädikat „Worldmusic“ erfand. Am vergangenen Freitag, 22. Mai, ist der Pionier mit 70 Jahren in Conakry gestorben.

1950 wird Kanté in eine Griotfamilie hineingeboren. Vom Großvater wird er im Spiel auf dem Balafon und im Gesang unterwiesen, doch er will mehr, als die uralte Linie seiner Vorfahren weiterführen. In Malis Hauptstadt Bamako besucht er die Kunstschule und trifft auf die legendenumwitterte Super Rail Band, die im Bahnhofsbuffet von Bamako Anfang der 1970er für ermattete Reisende aufspielt und sich zu einer der großen Supergroups des frühen Afro-Pops entwickelt. Zweiter Frontsänger der Rail Band ist der junge Salif Keita, dem Mory Kanté schließlich den Job wegschnappt.

Bis Ende der 1970er prägt er den Vokalsound der Eisenbahn-Truppe. Dann zieht es ihn nach Abidjan an die Elfenbeinküste, damals das Zentrum der Musikproduktion in Afrika. Dort erweitert er sein Spektrum sowohl ins traditionelle als auch ins moderne Fach: Er lernt, auf der 21-saitigen Stegharfe Kora zu spielen, und lässt in die alten Lieder Funk, Pop und Rock einfließen. Dieser neue Sound auf seinen ersten Platten macht ihn in Afrika zum Star.

1984 wagt er den Sprung nach Frankreich. In Paris entstehen seine Meilenstein-Alben, „À Paris“ und „10 Cola Nuts“, schließlich „Akwaba Beach“ mit dem Hit „Yéké Yéké“, dem man weltweit im Sommer 1988 nicht entgehen kann. An diesen Riesenhit kann Kanté nie mehr anknüpfen. Zunächst versucht er es weiter mit knalligem Afro-Pop, 2004 rückt er dann vom Mainstream deutlich ab, lässt die alten Instrumente naturbelassener zur Geltung kommen. Traditionelle Klänge mit tanzbarem Popsound elegant und schlüssig zusammenzuführen, das ist die Synthese seiner späten Jahre, etwa auf dem Album „La Guinéene“. Kanté war seit vielen Jahren krank und wurde immer wieder in Frankreich behandelt. Auch er ist indirekt ein Corona-Opfer: Für die notwendigen Behandlungen durfte er aus Afrika nicht mehr ausreisen.

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Mory Kanté

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen, Martin Laurentius & Rolf Thomas

Foto
Creative Commons/Aboubacarkhoraa

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