It Must Schwing! The Blue Note StoryIt Must Schwing! The Blue Note StoryDie Geschichte des Labels Blue Note ist nicht nur ein Stück Jazzgeschichte. Vielmehr dokumentiert diese 1939 von den beiden deutsch-jüdischen Flüchtlingen Alfred Lion und Frank „Francis“ Wolff gegründete Jazzplattenfirma auch den Kampf der Afroamerikaner gegen Rassismus in ihrem Heimatland und für Gleichberechtigung. „Während afroamerikanische Künstler in den USA unter Diskriminierung und Ausgrenzung litten, sahen die Deutschen Alfred Lion und Frank Wolff in den von ihnen engagierten Musikern bewundernswerte, ungemein talentierte Menschen“, heißt es in der Ankündigung zur neuen Film-Doku „It Must Schwing! The Blue Note Story“. „Sie zollten den Künstlern schlicht Respekt und pflegten mit ihnen einen würdevollen, mitmenschlichen Umgang. Bevor die Bürgerrechtsbewegung in den 1950er und 1960er-Jahren ihren Höhepunkt erreichte und Martin Luther King, Jr. seine berühmte Rede ,I have a dream‘ in Washington hielt, lebte man bei Blue Note diese Utopie schon lange einfach selbstverständlich.“

Eric Friedler, Hamburger Filmemacher in der Tradition eines Heinrich Breloer, erzählt die Geschichte dieser legendären Jazzplattenfirma und ihrer beiden Gründer auch vor diesem gesellschaftspolitischen Hintergrund. Und er lässt diejenigen, die als Jazzmusiker den Sound von Blue Note maßgeblich geprägt haben, sprechen: Herbie Hancock („Blue Note ist wie eine Heimat, es ist der Ort, an dem meine Karriere begann.“) ebenso wie Sonny Rollins („Im Gegensatz zu anderen Plattenfirmen waren auf den Cover von Blue Note Francis Wolffs Fotos von den Musikern. Das allein war schon ein bedeutungsvolles Statement.“), Ron Carter („Ich bin mir ziemlich sicher, dass damals in der ganzen Branche niemand bereit war, uns Afroamerikaner als gute Musiker zu akzeptieren – außer Frank und Alfred.“) oder Rudy van Gelder in seinem letzten Interview vor seinem Tod 2016 („Der Blue-Note-Sound war Alfred, der neben mir saß. Wenn man also eine Blue-Note-Platte hört, hört man Alfred, nicht mich.“).

Herbie HancockHerbie HancockEs sind eben diese Gespräche mit amerikanischen Jazzmusikern – neben den bereits Genannten unter anderem auch noch mit Wayne Shorter, Sheila Jordan, Quincy Jones, Lou Donaldson und George Benson –, die ein differenziertes Bild von Blue Note Records zeichnen und die gesellschaftspolitische Atmosphäre der 1950er- und frühen 60er-Jahre spiegeln. Gleichzeitig bezeugen die Musiker mit ihren Aussagen ihren großen Respekt vor der kreativen Leistung der beiden Freunde, die Ende der 1930er-Jahre aus Nazi-Deutschland flüchteten und schon kurz nach ihrer Ankunft in den USA Blue Note gründetet.

Friedler hat „It Must Schwing! The Blue Note Story“ als Doku-Drama inszeniert. „Dort, wo wir keine Archivbilder fanden oder neu gedrehtes Material verwenden konnten, um die Geschichte zu erzählen, haben wir Szenen fiktionalisiert“, erläutert der Filmemacher. „Es gibt beispielsweise keine Aufnahmen davon, wie Alfred Lion zum ersten Mal als Teenager in Berlin Jazz-Musik gehört hat. Oder ein filmisches Zeugnis, wie Alfred und Frank zum ersten Mal in die Wohnung von Thelonious Monk kamen. Wir haben uns aber nicht zum Re-Enactment mit Schauspielern entschlossen, sondern zur Animation, weil sie uns eine noch größere Freiheit gab. In intensiven Sitzungen mit dem Trickzeichner haben wir schließlich diesen schwarzweißen Look entwickelt. Dabei konnten wir auf ein Radiointerview zugreifen, das 1964 in New York mit Alfred Lion und Frank Wolff gemacht wurde.“ Diese interessante und spannende Blue-Note-Film-Doku wurde von Wim Wenders produziert und hat ihre Premiere am 2. Juli beim Filmfest München. Im Herbst soll „It Must Schwing! The Blue Note Story“ dann in die hiesigen Kinos kommen.

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„It Must Schwing! The Blue Note Story“

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

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