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Zum Tode von Ekkehard JostEkkehard Jost

Als ich selbst vor vielen Jahren Musikwissenschaft in Bonn studierte, habe ich seine Buchveröffentlichungen geradezu verschlungen. Mit feuilletonistischer Eloquenz und wissenschaftlicher Akribie zugleich setzte sich Ekkehard Jost in seinen Buchveröffentlichungen mit Jazzthemen auseinander und wurde dadurch auch zum Vorbild für mich als jungen Studenten. Später habe ich ihn dann live erlebt, bei verschiedenen Tagungen und Symposien. Sowohl als Vortragender wie auch als Diskutant war Jost oft „unerbittlich“, wenn ihm etwas nicht gefiel. Bevor er seinen „Gegenredner“ argumentativ zerpflückte, machte er zumeist hintergründig lächelnd eine einleitende ironische Bemerkung zu dem gerade Gehörten. Erst spät habe ich ihn dann persönlich kennengelernt. Ich erinnere mich an den Mai 2010, als wir zusammen beim Schaffhauser Jazzfestival in der Schweiz waren. Jost, damals schon Anfang 70, war nicht mehr so flink auf den Beinen. Deshalb trotteten er und ich zumeist hinter der Gruppe aus Journalisten und Wissenschaftlern her, machten Klönschnack, sprachen über die gerade gehörte Musik oder die Themen der gleichzeitig stattfindenden „Jazzgespräche“. Jost beließ es gerne bei Anekdoten, die erst durch ein „Zwischen den Zeilen lesen“ ihren Zusammenhang bekamen.

Jost, 1938 in Breslau geboren, war einer der Musikwissenschaftler, der den Elfenbeinturm verlassen und unterhaltend über sein Forschungsgebiet sprechen konnte: über den Jazz in seinen vielfältigen stilistischen Ausprägungen. Denn er selbst war auch Musiker: Als geschmeidig phrasierender Baritonsaxofonist sorgte er schon während seines Studiums von 1959 bis 1965 in Hamburg für Aufsehen in der deutschen Jazzszene. Und weil er als Musiker anerkannt war und von seinen Kollegen geschätzt wurde, konnte er seine Arbeitsbereiche gut miteinander verbinden. Für seine Habilitation zum Thema „Free Jazz“ lebte er zum Beispiel längere Zeit in New York, um direkt vor Ort mit den Protagonisten dieser „revolutionären“ Musikgattung zu sprechen und deren Projekte musikwissenschaftlich zu analysieren. Ein weiteres Standardwerk ist seine „Sozialgeschichte des Jazz in den USA“, mit dem er die teils schwierigen Lebens- und Arbeitsbedingungen der US-amerikanischen Musiker beschreiben und analysieren konnte. Von 1973 bis zu seiner Emeritierung 2003 leitete Jost als Professor das Musikwissenschaftliche Institut der Universität Gießen, außerdem war er Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Internationalen Gesellschaft für Jazzforschung Graz und hatte unter anderem Lehraufträge in Marburg, Hamburg und Frankfurt. Zudem war er einer der Initiatoren der Ausstellung „That’s Jazz – Der Sound des 20. Jahrhunderts“, die 1988 in Darmstadt gezeigt wurde. Und ganz besonders wichtig: Jost war einer derjenigen, der als Berater Darmstadt überzeugen konnte, 1990 das Jazzinstitut ins Leben zu rufen.

Doch neben seiner Karriere als Wissenschaftler mit internationalem Ruf blieb Jost zeitlebens Jazzsaxofonist, der kontinuierlich mit befreundeten Musikern (mit dem Kontrabassisten Dieter Manderscheid etwa, oder dem Schlagzeuger Joe Bonica) seine Projekte realisierte und auf seinem eigenen Label, Fish Music, veröffentlichte. Josts WDR-3-Sendereihe „Jazzgeschichten aus Europa“ ist 2012 als Buch im Wolke Verlag erschienen. Dieses so Jost-typische Kompendium wird seine letzte Veröffentlichung zu Lebzeiten gewesen sein: Der Musikwissenschaftler und Jazzmusiker Ekkehard Jost ist am 23. März im Alter von 79 Jahren gestorben. Text: Martin Laurentius

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

Foto
Frank Schindelbeck

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