SWR-Jazzpreis für Julia HülsmannJulia Hülsmann

Das ist so etwas wie zu ihrem Markenzeichen geworden: die Lyrik verschiedener Dichter unterschiedlicher Epochen zu vertonen – wie zum Beispiel von Emily Dickinson oder E.E. Cummings. Anders gesagt: Die Berliner Pianistin Julia Hülsmann liebt es, Gedichte in zeitgenössische Jazzmusik zu übersetzen und mit Sängerinnen und Sängern zu realisieren – angefangen von „Scattering Poems“ mit der Norwegerin Rebekka Bakken über „Come Closer – Celebrating Randy Newman“ mit der Italienerin Anna Lauvergnac (beide: ACT/edel) bis hin zu ihrer aktuellen CD „A Clear Midnight – Kurt Weill And America“ (ECM/Universal) mit dem in den USA lebenden, deutschen Vokalisten Theo Bleckmann. „Meine Idealvorstellung ist die, dass man dem Text nicht notwendiger Weise folgen muss, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was da passiert“, erklärt Hülsmann ihr Ziel für ihre Gedichtvertonungen. Auf jeden Fall hat sie eine tonal flexible Harmonik entwickelt, auf der sie ihre so schwebend klingenden Melodien setzt, um eine adäquate Übersetzung der Gedichte in ihre Jazzmusik zu bekommen.

„Mit Julia Hülsmann gewinnt in diesem Jahr eine Musikerin den SWR-Jazzpreis, die dem Jazz in Europa richtungsweisende Impulse gibt“, schreibt die Jury in der Begründung ihrer Wahl für die 1968 in Bonn geborene Pianistin. „Julia Hülsmann hat eine ganz eigene sensitive Klaviersprache entwickelt, in der sie auf unprätentiöse Weise Brücken zur Welt der Lyrik und des Gesangs schlägt. In ihren fantasievollen Kompositionen und Improvisationen gelingen ihr ungewöhnliche Melodien und dichte atmosphärische Stimmungsbilder, die ihrem Spiel einen besonderen poetischen Touch verleihen – Ausgangspunkt für Begegnungen mit musikalischen Wahlverwandten.“ Wenn Hülsmann einen so renommierten Jazzpreis bekommt, so darf eine auch für die Pianistin überaus wichtige Sache nicht vergessen werden: ihr kulturpolitisches Engagement, mit dem es ihr mit anderen jüngeren Musikern aus Deutschland gelang, die Union Deutscher Jazzmusiker wachzurütteln und auch zu verjüngen. Vor vier Jahren war es das Ziel der Neuaufstellung, die Arbeitsbedingungen für Jazzmusiker in Deutschland zu verbessern und für eine zugkräftige sozialen Absicherung einzutreten. Preisverleihung (der SWR-Jazzpreis ist mit 15.000 Euro dotiert) und Preisträgerkonzert finden am 25. Oktober im Rahmen des Festivals Enjoy Jazz statt.

Weiterführende Links
SWR-Jazzpreis
Julia Hülsmann

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

Foto
Volker Beushausen

Veröffentlicht am unter News
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