Werner WunderlichZum Tode von Werner Wunderlich

Das ist ein Pfund: 1959 rief Werner Wunderlichdie Konzertreihe „Jazz im Palmengarten“ in Frankfurt ins Leben. 40 Jahre lang verantwortete er das Programm dieser sommerlichen Open-Air-Konzerte, holte internationale Größen in die Stadt am Main, gab aber stets auch der nationalen und regionalen Szene einen breiten Raum. Es ist vor allem seiner Integrität, seinem warmherzigen Humor und seiner jazzmusikalischen Expertise zu verdanken, dass die Sommer-Konzerte im einmaligen Ambiente des Palmengartens im Frankfurter Westend noch immer fester Bestandteil im Veranstaltungskalender der Stadt und bis heute vielbesuchter Treffpunkt für die Jazzhörer in Frankfurt sind.

Doch sein eigentlicher Verdienst liegt woanders. Wunderlich, 1926 im westfälischen Minden geboren, setzte sich in den 1950er-Jahren für einen Kulturaustausch zwischen den einstmals verfeindeten Nachbarn Deutschland und Polen ein – trotz der vier Jahre, die er zwischen 1945 und ’49 in Kriegsgefangenschaft in Polen verbrachte und in denen er nicht nur die Sprache lernte, sondern auch Kontakte knüpfe. 1957 organisierte er die erste Konzertreise westdeutscher Jazzmusiker nach Polen und brachte das Albert Mangelsdorff Sextett auf das Festival in Zoppot bei Danzig. Dabei ging es Wunderlich nicht allein um Aussöhnung. Vielmehr suchte er nach einer Ebene, auf der sich Deutsche und Polen austauschen und vor allem miteinander kommunizieren konnten. Seitdem war es sein Anliegen, die Leistungen der polnischen Jazzszene hierzulande publik zu machen – auch dafür wurde er 2007 mit dem Ehrenorden des polnischen Kulturministerums ausgezeichnet.

Wunderlich war zudem ein profunder Jazzjournalist, der 1963 beim Hessischen Rundfunk begann, ab 1978 für den damaligen Südwestfunk als Redakteur arbeitete und 1987 für vier Jahre die Nachfolge von Joachim-Ernst Berendt als Leiter der SWF-Jazzredaktion übernahm. Am 2. April ist er im Alter von 86 Jahren gestorben. „Werner Wunderlich war einer der ganz Großen im deutschen Jazzjournalismus, dessen markante Stimme wir sehr vermissen werden“, so SWR2-Programmchef Johannes Weiß, „die berühmte Tradition des Jazz im SWR ist ohne die Namen Joachim-Ernst Berendt und seinen unmittelbaren Nachfolger Werner Wunderlich nicht denkbar.“

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

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