ELBJAZZ 2018

billy bangIst am 11.4. gestorben: Billy Bang

Seine Vietnam-Erlebnisse ließen ihn zeitlebens nicht los: „Ich war als Soldat in Vietnam, ich wurde dorthin geschickt“, erzählte William Vincent Walker alias Billy Bang dem auch für Jazz thing schreibenden Journalisten Christian Broecking. „Vietnam war in mir drin, außer wenn ich betrunken war oder Heroin nahm. Vietnam hat mich nie verlassen, bis ich die CD machte.“ Es waren tatsächlich 2001 und 2004 die Aufnahmen der beiden Alben „Vietnam: The Aftermath“ und „Vietnam: Reflections“ (beide: Justin Time), mit denen der Geiger sein Kriegstrauma verarbeiten konnte. Bang holte Musiker ins Studio, die wie er auch Soldaten in Vietnam waren, und schrieb Stücke, die sich konkret auf seine Kriegserlebnisse Ende der 1960er bezogen: eine Improvisationsmusik, wie sie wahrhaftiger, persönlicher und ehrlicher nicht sein konnte.

 

Bang, 1947 in Mobile, Alabama, geboren, kam mit seiner Familie als Zweijähriger nach New York, wo er unter anderem im Stadtteil Bronx aufwuchs und schon als Kind Geigenunterricht hatte. Doch seine professionelle Karriere begann erst nach seiner Entlassung aus der Armee, als er die Violine wiederentdeckte und begann, sich in der New Yorker Loft-Szene der 1970er durchzusetzen. Zusammen mit dem Gitarristen James Emery und dem Bassisten John Lindberg gründete er 1977 das String Trio Of New York und nahm seither viele Alben unter eigenen Namen auf, wie zum Beispiel „New York Collage“, „The Fire Within“ und vor allem „A Tribute To Stuff Smith“ von 1992 mit Sun Ra, in dessen Arkestra Bang in den 1970ern auch zu hören war. Am 11. April 2011 ist Billy Bang an den Folgen seiner Lungenkrebserkrankung gestorben.

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

Veröffentlicht am unter News
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