236/18: Jazz thing Mixtape auf ByteFM & onejazz

Modha nennt sich das Duo Dhanya Langer und Max Scholl aus Berlin, deren „River“ vom neuen Album „At Your Pace“ dieses Mixtape startet. Für Fans des Moses Yoofee Trio oder Kamaal Williams, könnte man sagen. Instrumentale Unterstützung bekommen Langer und Scholl bei diesem Track von Keyboarder Àbáse und Flötistin Fanni Zahár, auf anderen Tracks des Albums sind auch conic rose, Wakai oder James Chatburn zu hören. Bassist (und Sänger) Robert Lucaciu ist auf gleich zwei aktuellen Alben zu hören. „Fallen Crooner“ mit der gleichnamigen Band ist bei Unit erschienen. Neben schönen Eigenkompositionen findet sich darauf auch eine sehr eigene Version von Ornette Colemans „Lonely Woman“, gesungen von Laura Totenhagen. Auf „Love At Last Sight“ im Duett mit der singenden Vibrafonistin und Percussionistin Evi Filippou lässt Lucaciu dagegen den Crooner wieder auferstehen, etwa beim sehnsüchtigen „Missing“, das aktuell und zeitlos und dabei wie ein verlorener Standard klingt. Ebenfalls im Duett ist der britische Pop-Experimentalist James Blake auf „Didn‘t Come To Argue“ zu hören. Den Track, der sich auch auf seinem neuen Album „Trying Times“ findet, singt er mit Monica Martin von der Folk-Pop-Band Phox. Ein Liebeslied für unsichere Zeiten, also auch wieder völlig zeitlos.
Mit der verzweifelten bis resignierten Kehrseite beschäftigt sich das dritte Duett: Johanna Borchert und Miles Perkin alias The Match. Auf ihrem Debütalbum, soeben bei enja erschienen, ist auch „Losing It“ zu hören. „The air is trembling/ your eyes are swollen/ in a sea of madness“ singt die Pianistin darauf, so eindringlich wie soulful. „Honora“ heißt das gerade erschienene Jazzalbum von Flea. Der Bassist der Red Hot Chili Peppers entsann sich seiner Wurzeln im Bebop, fing wieder an, sein Einstiegsinstrument Trompete zu üben, und nahm dieses Album mit illustren Kollegen wie etwa dem Saxofonisten Josh Johnson, Gitarrist Jeff Parker, Drummer Deantoni Parks oder Bassistin Anna Butterss auf, mit denen er im Mai sogar auf Tour geht. Ob er im Heimathafen Berlin oder dem Paradiso in Amsterdam auch diese Version von Funkadelics „Maggot Brain“ spielen wird?
Und noch ein Trompeter. Okay, der Trompeter! 2026 ist wieder ein Jahr der Hundertjährigen im Jazz: aber bevor John Coltrane, Melba Liston, Randy Weston, Ray Brown oder Oscar Brown Jr. postum ihre Centenarys feiern, kommt Miles an die Reihe. Das aktuelle Heft feiert den „Dark Magus“ und seine Bedeutung mit einem „Special“, hier im Mixtape hören wir sein von Marcus Miller produziertes Tribut an Bishop Desmond Tutu, das dieses Jahr übrigens seinen 40. feiert.
Auf dem Cover der aktuellen Ausgabe ist die Kölner Altsaxofonistin Angelika Niescier zu sehen, deren aktuelle „Chicago Tapes“ mit ihrem Instrumentalkollegen Dave Rempis, auch am Tenor, Jason Adasiewicz am Vibrafon, Nicole Mitchell an der Flöte, Drummer Mike Reed und Bassist Luke Stewart entstanden. „Great Horned Owl“, germanischen Ornithologen als „Virginia-Uhu“ bekannt, heißt eines der atmosphärischen Stücke aus ihrem „Resoanzraum Chicago“ bei dem die Saxofone um ein entspannt bis bedrohliches Vibraphon surren, bis sie die Uhu-Eule rufen und fliegen lassen.
Gitarren spielen auf, gleich dreimal (streng genommen sogar viermal) zum Finale dieses Mixtapes. Der 112. Debütant unserer Jazz thing Next Generation ist der Gitarrist Alexander Rueß. Auf seinem „Debut“, produziert von Frank Möbus, präsentiert der 27-jährige sein Trio mit Luca Curcio am Bass und Sebastian Merk am Schlagzeug, einmal als Gast begleitet von Nils Landgren auf „Für Opa“. Neben solchen Eigenkompositionen, natürlich auch der attraktiven „Vogelbalz“, die wir hier hören, finden sich auch Stücke von Radiohead oder Jakob Bro auf dem Album.
Hanno Busch, bekannt als Gitarrist von Jan Delay & Disko No.1 oder Sommerplatte, hat ein neues Album mit Saxofonist Matthew Halpin, Drummer Jonas Burgwinkel und Claus Fischer am Bass aufgenommen. Der Albumtitel „Perspective“ ist Programm und die Musik „erzählt von Unsicherheit, Hoffnung, Konflikt und Verbundenheit – mit Klarheit, Nuancen und Seele“, wie es passend dazu im Pressetext heißt. Acht Perspektiven auf das Konzept eines gewachsenen musikalischen „Fellowship“, wie man in unserem Exemple hören kann.
Inspiriert von Olivier Messiaen, daher der Albumtitel „M“, hat der Berliner Gitarrist Christian Kögel (der hier zum ersten Mal auch Pedal Steel spielt) nicht nur einige von dessen „Éclairs“ interpretiert, sondern auch eigene komponiert. „Sein Credo dabei: Zwei Gitarren klingen wie eine große Gitarre“, weshalb er sich nicht nur Unterstützung von Bassist Paul Kleber und Schlagzeuger Hans Otto holte, sondern vor allem von Kalle Kalima. „Morph-Riff“ ist ein herrlich rockendes Beispiel dieser Zusammenarbeit. All das findet sich auf Deutsch am 31. März ab 13 Uhr auf ByteFM, der Sendetermin für das Jazz thing Mixtape in Englisch auf onejazz wird in Kürze bekannt gegeben.
Playlist #236/118
für das Jazz thing Mixtape vom Dienstag, 31.3.2026, 13 – 14 Uhr
Modha River At Your Pace (Sonar Kollektiv/Indigo)
Robert Lucaciu Fallen Crooner Lonely Woman Fallen Crooner (Unit/OPEN)
Evi Filippou & Robert Lucaciu Missing Love At Last Sight (BMC/Galileo MC)
James Blake & Monica Martin Didn‘t Come To Argue Trying Times (Good Boy Records)
Johanna Borchert & Miles Perkin Losing It The Match (enja/edel)
Flea Maggot Brain Honora (Nonesuch/Warner)
Miles Davis Tutu Tutu (Warner)
Angelika Niescier Great Horned Owl Chicago Tapes (Intakt/Harmonia Mundi)
Alexander Rueß Vogelbalz Debut (Double Moon/Bertus)
Hanno Busch Fellowship Perspective (Frutex Tracks/Bandcamp)
Christian Kögel Morph-Riff M (XJAZZ!/The Orchard)
Weiterführende Links
ByteFM
onejazz.net






