Stunt Records aus Kopenhagen steht nun seit 35 Jahren für Jazz aus Dänemark und dem Rest der Welt. Anlässlich dieses Jubiläums präsentiert Jazz thing einen Sampler mit 18 Musikbeispielen aus der reichhaltigen Labelgeschichte, die von Stunt-Gründer Peter Littauer und A&R-Manager Sören Friis persönlich ausgewählt wurden.

Stunt Records – 35 Years 1983 – 2018 (Cover)

„Wenn Jazz thing sein 25-jähriges Jubiläum feiert, sind wir bereits zehn Jahre älter“, resümiert Littauer die Fakten. „Wir sind sehr stolz, dass wir gemeinsam mit Jazz thing feiern, indem wir zeigen, wie weit wir gekommen sind. Unsere Compilation soll den Hörer in neue emotionale Höhen entführen, während er das Alte und das Neue, das Bekannte und das Exotische entdecken kann.“

Skandinavische Jazzmusiker dominierten auf Stunt Records von Anfang an, aber auch amerikanische Jazzstars haben immer gerne für die Firma aufgenommen und sind auch hier in Gestalt von Scott Hamilton, Stan Getz, Joey Baron, Paul Motian, Ed Thigpen, George Garzone, Chris Potter, Aaron Parks und Bonnie „Prince“ Billy (nun – vielleicht nicht gerade ein „Jazzstar“) zu hören. Das ist gute dänische Tradition, denn bereits in den 60er-Jahren strömten Musiker wie Dexter Gordon oder Ben Webster nach Kopenhagen, um liberale skandinavische Lebensart zu genießen. Wir gratulieren Stunt Records zum Jubiläum – für welche musikalische Vielfalt das Label heute steht, kann nun jeder hören.

Christina Dahl: „Walk With Me“ aus dem Album „Heart Beats“ (2003). Der erste Ausflug der Saxofonistin Christina Dahl in Funk- und Soulgefilde war ein veritabler Erfolg. Und am Schlagzeug ist der Amerikaner Ed Thigpen zu hören, der aber mindestens ein „Ehren-Däne“ war.

Snorre Kirk: „Monaco“ aus dem Album „Beat“ (2018). Der Schlagzeuger Snorre Kirk wildert seit Jahren in Retrogefilden, indem er Anleihen am Klangideal von Legenden wie Duke Ellington macht. „Monaco“ setzt eine kleine Bläsercombo um den Kornettisten Tobias Wiklund elegant in Szene.

Steen Rasmussen: „Nothing Like The Sun“ aus dem Album „Canta“ (2018). Dass brasilianische Lebensfreude auch in Dänemark gedeiht, dafür ist der Pianist Steen Rasmussen der vitale Beweis. Ehrensache, dass die brasilianische Legende Joyce Moreno ins Studio eilt, um einen Titel für ihn zu singen.

Scott Hamilton: „Min Soldat“ aus dem Album „Swedish Ballads … And More“ (2012). Der amerikanische Tenorsaxofonist Scott Hamilton ist ein Spezialist für die großen Balladen. Vor sechs Jahren hat er sich in Schweden nach Material für sein schwerblütiges Horn umgesehen und ist fündig geworden.

String Swing: „So It Better Be“ aus dem Album „Blue Hat“ (2005). Sängerin Josefine Cronholm und Altsaxofonist Søren Siegumfeldt – der „So It Better Be“ auch geschrieben hat – sind die treibenden Kräfte der Band String Swing. Hier haben sie sich mit dem französischen Akkordeonisten Richard Galliano zusammengetan.

Diego Figueiredo: „Flor Azul“ aus dem Album „Broken Bossa“ (2015). Gitarrist Diego Figueiredo kommt aus Brasilien und ist ein Virtuose, der sein Instrument mit ansteckender Lebensfreude beherrscht. Hier ist er im Duett mit dem amerikanischen Tenorsaxofonisten George Garzone zu hören.

Kasper Villaume: „Captain Kirkland“ aus dem Album „Hands“ (2006). Obwohl Kasper Villaume mit 44 noch jung an Jahren ist, zählt der Pianist in Kopenhagen doch schon zu den alten Hasen. Zusammen mit Chris Potter, Chris Minh Doky und Ali Jackson stattet er „Captain Kirkland“ – gemeint ist natürlich der verstorbene Pianist Kenny Kirkland – einen Besuch ab.

Anders Christensen: „Dear Someone“ aus dem gleichnamigen Album (2009). Wie beliebt Bassist Anders Christensen in der internationalen Jazzszene ist, zeigt sich in dieser Einspielung der Country-Ballade von Gillian Welch, zu der der Pianist Aaron Parks und der legendäre Schlagzeuger Paul Motian umstandslos ins Studio eilten.

Kira Skov: „Lilac Sky“ aus dem Album „The Echo Of You“ (2018). Kira Skovs aktuelles Album hat einen traurigen Anlass, nämlich den Tod ihres Lebensgefährten Nicolai Munch-Hansen. Dass für die Eigenkomposition „Lilac Sky“ einer von Skovs großen Helden, nämlich Bonnie „Prince“ Billy, mit ihr gesungen hat, war trotzdem eine schöne Erfahrung.

Marco Mezquida: „Joy“ aus dem Album „Pieris“ (2018). Zum Titel muss man wohl nicht viel sagen. Der spanische Pianist Marco Mezquida lässt die Lebensfreude direkt aus jeder Taste quellen, eine dänische Rhythmusgruppe aus Jesper Bodilsen und Martin Andersen unterstützt ihn mit feinsinniger Transparenz.

Malene Mortensen: „Honeysuckle Rose“ aus dem Album „Can’t Help It“ (2015). Sängerin Malene Mortensen beherrscht sämtliche Tonlagen, und so ist es auch kein Wunder, dass sie Fats Wallers altem Standard „Honeysuckle Rose“ frische Flügel verleiht – zur Seite stehen ihr Christian Sands, Burniss Earl Travis II und Terreon Gully.

Jan Johansson: „I Remember Clifford“ aus dem Album „In Denmark“ (2016). Eine skandinavische Jazzlegende war der Pianist Jan Johansson. 1959 spielte er mit Stan Getz, Oscar Pettiford und dem Schlagzeuger Joe Harris den Benny-Golson-Tribute an den amerikanischen Trompeter Clifford Brown ein.

Povl Dissing: „On The Sunny Side Of The Street“ aus dem Album „That Lucky Old Sun“ (2010). Der Sänger, Komponist, Gitarrist und Mundharmonikaspieler Povl Dissing ist eine dänische Legende. Vor acht Jahren begleitete ihn Gitarrist Jacob Bro auf diesem alten Jazzstandard.

Dorado + Amati Schmitt Group: „Sinti Rhapsody“ aus dem Album „Live“ (2015). Der französische Sinti-Gitarrist Dorado Schmitt unterhält zusammen mit seinem Sohn Amati an Geige und Gitarre ein heftig swingendes Gypsy-Quartett. Mit Francko Mehrstein an der Rhythmusgitarre und Xavier Nikq am Bass nimmt die „Sinti Rhapsody“ Fahrt auf.

Sinne Eeg: „Aleppo“ aus dem Album „Dreams“ (2017). Die Flüchtlingskrise lässt wohl niemanden kalt – auch nicht Sängerin Sinne Eeg, die in „Aleppo“ die Bilder aus den Nachrichten reflektiert. Mit Larry Koonse, Scott Colley und Joey Baron hat sie ein amerikanisches Dream-Team an ihrer Seite.

Mads Vinding: „Lover“ aus dem Album „The Kingdom (Where Nobody Dies)“ (2002). Bassist Mads Vinding ist ein extrem beliebter Tieftöner, der schon mit Herbie Hancock, Chet Baker und Johnny Griffin auf der Bühne gestanden hat. Hier sind der italienische Pianist Enrico Pieranunzi und der skandinavische Ausnahmeschlagzeuger Alex Riel dabei.

Inger Marie: „I Don’t Want To Talk About It“ aus dem Album „By Myself“ (2007). Inger Marie Gundersen hat ein Faible für Rock- und Popklassiker, dem sie auf ihrem Album von 2007 gründlich nachgeht. Auf diesem alten Song von Rod Stewart lässt sie sich unter anderen vom schwedischen Gitarristen Ulf Wakenius begleiten.

Kenneth Knudsen: „Benjamin“ aus dem Album „Bombay Hotel“ (1988). Tatsächlich in Bombay hat Keyboarder Kenneth Knudsen vor 30 Jahren sein Album „Bombay Hotel“ aufgenommen. Tabla-Spieler Ole Theill und Gitarrist Mikkel Nordsø sind auf Nordsøs „Benjamin“ seine Partner.

Christina Dahl: „Walk With Me“ aus dem Album „Heart Beats“ (2003). Mit einer kleinen Reprise aus dem Eingangstitel schleichen wir uns mit Christina Dahl aus der CD – ein Kreis schließt sich.

Veröffentlicht am unter 125, Heft

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