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Das Babel Label wurde 1994 von Oliver Weindling gegründet, einem britischen Jazz-Promoter, der zuvor Wirtschaftswissenschaften studiert hatte und auch in einer Bank gearbeitet hat. Als Klarinettist der Band The Oxcentrics hatte er aber auch stets seine Liebe zur Musik im Blick. Weindling ist außerdem einer der Direktoren des Vortex Jazz Clubs.

Babel Label. 20 Years Of Jazz & Improvisation (Cover)Das Babel Label soll vor allem britischen Künstlern eine Heimat bieten und hat seit 1994 über 100 CDs veröffentlicht mit einer geradezu spektakulären musikalischen Bandbreite, die alles zwischen extremem Free Jazz und Heavy Metal umfasst. Britische Exzentrik war schon immer ein Aushängeschild des Labels, vom Drehorgelspieler Huw Warren bis zu abgedrehten Bands wie Polar Bear, Acoustic Ladyland oder Led Bib, mit denen Babel immer mal wieder überraschende Erfolge feiern konnte. Fast im Alleingang war Babel verantwortlich für ein neues Interesse an britischem Jazz – just nach dem festen Glauben von Weindling, dass Qualität sich früher oder später durchsetzt.

„Ich glaube nach wie vor, dass man Musik von hoher Qualität irgendwie verkaufen kann“, sagt er. „Es braucht Zeit, bis die Leute sie zur Kenntnis nehmen – das stimmt wohl. Wenn ich auf mein Konto schaue, stelle ich fest, dass das manchmal leider eine sehr lange Zeit sein kann.“

In Zeiten schwindender Verkäufe auf Nummer sicher zu gehen und das Jazzpublikum dort abzuholen, wo es steht, ist Weindlings Sache nicht. Das Babel Label veröffentlicht immer noch Platten, die alles andere als marktgängig sind – vom Avantgardetrio Black Top über das Sextett des abgedrehten Pianisten Bruno Heinen bis zum verdichteten Prog-Rock von ACV. Fast überall werden Genres vermischt, Konventionen vermieden und Hörer herausgefordert. Wenn man unter Jazz vor allem Freiheit des Ausdrucks versteht, dann ist Babel die Quintessenz eines Jazz-Labels.

20 Years Of Jazz & Improvisation“ wollen gefeiert werden – und wir machen das natürlich mit der Musik, die vom Babel Label in den letzten 20 Jahren veröffentlicht worden ist (ein unveröffentlichter Track ist auch dabei). Auf unserer mit 19 Songs randvollen CD finden sich sorgfältig kompilierte Tracks aus dem gesamten Babel-Katalog. Und das ist drauf:

1. Billy Jenkins „Ronald Reagan“ aus dem Album “Entertainment USA“
Spoken Words – in denen es um Countrymusik zu gehen scheint, zumindest fallen öfter mal die Worte „Roy Rogers“ – und ein lässiger Barroom-Jazz verbinden sich zu einem Stück Easy-Listening-Gedudel, das aber immer bedrohlich an der Kippe zu etwas weitaus Gefährlicherem zu stehen scheint. Humor hat der Gitarrist Billy Jenkins auf jeden Fall – beteiligt an dem Album sind unter anderen Bassist Steve Watts und Akkordeonist Huw Warren.

2. Trio VD „Rash“ aus dem Album “Fill It Up With Ghosts“
Das Trio VD – eine in Großbritannien geläufige Abkürzung für Geschlechtskrankheiten – strapaziert die Nerven des Hörers da schon eher „Noise-Attacken, Metal-Breaks, wüstes Gekreische und Fusion-Kürzel. Tatsächlich gründete sich das Trio am Valentine’s Day 2006 – das Debüt-Album „Fill It Up With Ghosts“ wurde 2009 von Mojo und Jazzwise zum „Jazz Album of the Year“ gekürt.

3. Acoustic Ladyland „Iggy“ aus dem Album “Last Chance Disco“
Der witzige Hendrix-Bezug im Bandnamen findet sich auch im Sound des Quartetts wieder „Wenn auch die elektrische Gitarre wenig virtuos auf die Zwölf schrubbt, so ist der Gesamtklang des wüsten Ensembles doch genau wie bei Hendrix – far out. Schlagzeuger Seb Rochford, Saxofonist Pete Wareham, Gitarrist Chris Sharkey und Bassist Tom Herbert gehörten auf „Last Chance Disco“ aus dem Jahr 2005 zur Band. Auf dem Albumcover fungiert die Discokugel übrigens als Fußfessel.

4. Black Top „Nubian Archaic Step Dub“ aus dem Album “#1″
Das Avantgardetrio aus Marimbaspieler Orphy Robinson, Pianist Pat Thomas und Saxofonist Steve Williamson steuert den (einzigen) Titel aus dem Debütalbum bei, der es glatt in die Disco schaffen könnte. Schräge Science-Fiction-Geräusche bilden einen kantigen Rhythmus, auf den Williamson mit kurzen zirkulären Phrasen, die vor Funkiness vibrieren, reagiert.

5. Eyes Of A Blue Dog „Deliverance“ aus dem Album “Rise“
Aus elektronischem Dunst schält sich die hypnotische Stimme von Elizabeth Nygard – die „Augen eines blauen Hundes“ haben überraschend viel Charme. Der Name des Trios geht übrigens auf eine Erzählung von Gabriel Garcia Marquez zurück. Auf dem Debütalbum „Rise“ kollaborieren der Trompeter Rory Simmons und der norwegische Schlagzeuger und Elektronikspezialist Terje Evensen.

6. Brass Mask „I Thank You Jesus“ aus dem Album “Spy Boy“
Man wähnt sich auf einem Begräbnis in New Orleans, wenn die waschechte Marching Band Brass Mask den trunkenen Blues „I Thank You Jesus“ zelebriert – nur echt mit der Tuba als Bassersatz. Das Oktett wurde erst vor Kurzem vom Saxofonisten Tom Challenger gegründet, der mit diesem Song den Gospelsongs des tiefen amerikanischen Südens seinen Tribut abstattet.

7. Bruno Heinen Sextet „Libra“ aus dem Album “Karlheinz Stockhausen Tierkreis“
Der junge Pianist interpretiert in beeindruckender Weise die Tierkreis-Suite des deutschen Tonsetzers Karlheinz Stockhausen – mit drei Bläsern, zu denen Saxofonist Tom Challenger gehört, überführt Heinen die minimalistisch anmutenden Klänge des Kölner Avantgardisten in den Jazz-Kontext.

8. Emilia Martenson „Harvest Moon“ aus dem Album “Ana“
Die junge schwedische Sängerin Emilia Martenson ist schon vor über zehn Jahren nach England gekommen. „Ana“ ist bereits ihr zweites Album, auf dem sie unter anderem mit einem Streichquartett Songs aus ihrer Heimat mit US-Klassikern von beispielsweise Paul Simon kombiniert. Bei „Harvest Moon“ handelt es sich aber nicht um den gleichnamigen Song von Neil Young – dieser hier wurde vom Singer-Songwriter Jamie Doe geschrieben.

9. Fraud „Giraffiti“ aus dem Album “Fraud“
Der Elektroniker Tim Giles und Gitarrist Stian Westerhus prägen dieses Quintett, das Anklänge an die frühen Soft Machine mit pastoralem Prog-Rock und quirligem Elektrolärm zu einer hitzigen Mischung verbindet. Die britische Presse fand’s manchmal gar „berührend delikat“, wie der Journalist Kenny Matthieson schrieb.

10. Big Air „All Good Things“ aus dem Album “Big Air“
Schlagzeuger Jim Black und Pianistin Myra Melford sind die Stars im Quintett Big Air, zu dem außerdem die drei Bläser Chris Batchelor, Steve Buckley und Oren Marshall gehören. Free Jazz, Post-Bop und schmutziger Funk sowie ein paar Mariachi-Zitate sind die Bestandteile eines Genre-Mischmaschs, der vor fünf Jahren die britische Szene aufmischte.

11. ACV „Dog Leap Stairs“, bisher unveröffentlicht
Bassist Andy Champion gründete ACV vor fünf Jahren, um seinen musikalischen Interessen zwischen Prog-Rock und freier Improvisation einen Rahmen zu geben – „Dog Leap Stairs“ ist der Exklusivtrack auf unserer CD. Die „Stairs“ beziehen sich übrigens auf die Treppen, die zu den zwei Lieblingsbars der Band führen – und die man deshalb schnell hinaufgeht.

12. Polar Bear „King Of Aberdeen“ aus dem Album “Held On The Tips Of Fingers“
Die experimentelle Jazzband um Schlagzeuger Seb Rochford hat sich längst einen Namen gemacht. „King Of Aberdeen“ stammt von ihrem zweiten Album, das 2005 für den renommierten Mercury Prize nominiert wurde und von Jazzwise umstandslos unter die „100 jazz albums that shook the world“ einsortiert wurde.

13. Alexander Hawkins „Take The A Train“ aus dem Album “Song Singular“
Das Soloalbum des Pianisten Alexander Hawkins, der schon mit Taylor Ho Bynum, Mulatu Astatke und Steve Williamson zusammengearbeitet hat, möchte vor allem die Möglichkeiten des unbegleiteten Klavierspiels heute erkunden – dass man das auch anhand eines Duke-Ellington-Klassikers wie „Take The A Train“ tun kann, hört man hier.

13. Triptych „Daringly Poised“ aus dem Album “Amusia“
Pianist Richard Fairhurst gehört zu den Veteranen bei Babel. Mit dem Bassisten Jasper Höiby und dem Schlagzeuger Chris Vatalaro begibt er sich in (un-)typische Triogefilde – auf „Daringly Poised“ bewegen sich die drei aus freier Form zu einer Art Zirkusmusik und wieder zurück.

14. Led Bib „Battery Power“ aus dem Album “Sizewell Tea“
Das Quintett Led Bib wurde vor zehn Jahren von Schlagzeuger Mark Holub gegründet. Das energetisch nach vorne losgehende „Battery Power“ stammt aus deren zweitem Album, das 2007 erschienen ist. Zwischen Post-Bop, Free Jazz, Prog- und Noise-Rock geht so allerlei.

16. Indigo Kid „Mr Lepard“ aus dem Album “Indigo Kid“
Der junge Gitarrist Dan Messore hat sich für das Quartett Indigo Kid mit dem ehemaligen Loose-Tubes-Saxofonisten Iain Ballamy zusammengetan. Mit Tim Harries, dem ehemaligen Bassisten von Bill Bruford, ist ein weiterer prominenter Musiker dabei. Vierter im Bunde ist der Waliser Schlagzeuger Gethin Jones.

17. Christine Tobin „Muse Of Blues“ aus dem Album “Romance & Revolution“
Die irische Sängerin Christine Tobin lebt seit einem Vierteljahrhundert in London und zählt ebenfalls zur Babel-Stammbesetzung. Ihr sechstes Album „Romance & Revolution“, auf dem sie unter anderem Songs von Bob Dylan und Brian Wilson singt, enthält auch die Eigenkomposition „Muse Of Blues“.

18. Ingrid Laubrock & Liam Noble „Electric Ant“ aus dem Album “Let’s Call This …“
Die deutsche Saxofonistin Ingrid Laubrock hat sich in England einen Namen gemacht – mittlerweile mischt sie die New Yorker Downtown-Szene auf. Mit „Electric Ant“, einer Zusammenarbeit mit dem Pianisten Liam Noble, zeigt sie, dass sie auch treffende Titel für ihre Musik findet.

19. Marilyn Crispell & Raymond MacDonald „Flame“ aus dem Album “Parallel Moments“
Als kompromisslose Avantgardistin gilt die amerikanische Pianistin Marilyn Crispell. Mit dem schottischen Saxofonisten Raymond MacDonald, Mitbegründer des Glasgow Improvisers Orchestra, zeigt sie sich auf „Flame“ eher von ihrer lyrischen Seite. Ein Zusammentreffen zweier Top-Improvisatoren auf der absoluten Höhe ihres Könnens.

Veröffentlicht am unter 106, Heft
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