Mulo Francel

Grüße von Bix

Bevor das Tenorsaxofon seinen Siegeszug als bevorzugtes Instrument der Jazzgeschichte antrat, war das C-Melody-Saxofon omnipräsent: Es war in jeder Bigband und jedem Orchester der 1920er-Jahre zu finden – und verschwand danach beinahe für immer in der Versenkung.

Mulo Francel (Foto: Andreas Hinterseher)

Mulo Francel erwarb sein Instrument 1994 auf einem New Yorker Flohmarkt. „Schon auf dem Debütalbum von Quadro Nuevo habe ich es auf zwei Stücken verwendet“, erinnert Francel sich. „Allerdings hat damals, obwohl das Album einen German Jazz Award gewonnen hat und auch von der Kritik sehr gelobt wurde, niemand davon Notiz genommen.“

Für Francel mit ein Grund, dem praktisch verschwundenen Instrument ein ganzes Album zu widmen. Klar, „The Melody Sax“ (GLM/edel) ist eine nostalgische Angelegenheit, klingt aber dennoch frisch und aufregend. Mit Keyboarder Chris Gall, Gitarrist Philipp Schiepek, Bassist Didi Lowka und Schlagzeuger Sebastian Wolfgruber hat Francel 13 Stücke aus der Frühzeit des Jazz neu aufpoliert, darunter Klassiker wie Gershwins „Summertime“, das „Love Theme“ aus Charlie Chaplins „Gold Rush“ oder „Singin‘ The Blues“, das in den 1920er-Jahren vom Kornettisten Bix Beiderbecke und dessen musikalischem Partner, dem C-Melody-Saxofonisten Frank „Tram“ Trumbauer, gerne gespielt wurde.

„Es hat großen Spaß gemacht, die Originalaufnahme dieses Songs zu analysieren“, gesteht Mulo Francel. „Wir haben Chris Gall sogar davon überzeugen können, Bix‘ Solo von 1927 auf dem Fender Rhodes nachzuspielen.“

Text
Rolf Thomas
Foto
Andreas Hinterseher

Veröffentlicht am unter 148, Feature, Heft

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