Mitch Winehouse & Thilo Wolf Big Band - Swinging Cole Porter

Hans Anselm Quintett

Die Stille aushalten

Schon bei der Hans Anselm Big Band, die vor zwei Jahren in der „Jazz thing Next Generation“-Reihe debütierte, war kein Musiker dieses Namens beteiligt, und so ist es auch beim Hans Anselm Quintett. Der Name steht vielmehr für eine Art imaginären Rat und Ideengeber.

Hans Anselm Quintett (Foto: Stefan Noë)

Aber auch bei „Room Scope Moon“ (Berthold/Cargo), dem neuen Album des Quintetts, sind Gitarrist Benedikt Schnitzler und Pianistin Anna Wohlfarth die Songlieferanten. Dabei ist „Mindsquare“ ein Opener, der einen mit seiner ruhigen, aber intensiven Atmosphäre förmlich in das Album hineinzieht. Auch „Moon Song“ wird von seiner balladesken Qualität getragen. „Wir haben versucht, eine nächtliche Stimmung einzufangen“, erzählt Schnitzler, „mit einem ganz besonderen Licht, gehüllt in einen melancholischen Sound.“

Dabei steht oftmals Trompeter und Flügelhornist Gabriel Rosenbach im Mittelpunkt, bei anderen Songs wird das Rhythmusteam, bestehend aus Arne Imig am E-Bass und dem Schlagzeuger Johannes Metzger, enorm wichtig. „The Power Of Thoughts“ ist ein Stück aus der Feder Wohlfarths, das einen wegen seiner furiosen Rhythmik nicht mehr loslässt.

„Ich wollte etwas schreiben, das anders ist als das, was ich sonst schreibe“, sagt Wohlfarth. „Ich wollte mehr vom Beat ausgehen als von der Melodie. Es hat total Spaß gemacht, mal anders an den Kompositionsprozess heranzugehen.“

Überhaupt ist der Variantenreichtum des Quintetts beeindruckend. „Echoes Of Silence“ lebt von seinen auf und abschwellenden Klangkaskaden. „Die Idee wollte einfach raus“, erinnert Wohlfarth sich. „Das Stück entstand nach einer langen Reise, und ich hatte Schwierigkeiten, auf einmal wieder allein zu sein. In meinem Kopf war es sehr laut, und ich musste versuchen, die Stille auszuhalten.“

Sowohl Schnitzler als auch Wohlfarth kommen nicht mit ausgeklügelten Kompositionen zu den gemeinsamen Bandproben. Es sind mehr Skizzen, die erst im gemeinsamen Zusammenspiel zu ihrer endgültigen Gestalt finden. „Auf diese Weise“, meint Schnitzler, „entstehen unsere typischen kollektiven Klanglandschaften.“

Text
Rolf Thomas
Foto
Stefan Noë

Veröffentlicht am unter 141, Feature, Heft