47: Bergamo Jazz Festival

Joe LovanoJoe LovanoZum 47. Mal findet in diesem Jahr vom 19. bis 23. März das Bergamo Jazz Festival statt. Weil 2026 gleich zwei legendäre afroamerikanische Jazzgrößen ihren 100. Geburtstag gehabt hätten, steht das Programm dieses traditionsreichen Jazzfestivals in Norditalien unweit der Metropole Mailand ganz im Zeichen von Miles Davis und John Coltrane. Der künstlerische Leiter Joe Lovano hat deshalb die diesjährige Ausgabe ebenso unter das Motto „Setting The Pace“ gestellt wie ein von ihm als Saxofonist geleitetes Sonderprojekt genannt, mit dem die Lebensleistungen dieser beiden Jazzmusiker gewürdigt werden. „Im Leben, in der Kunst, in der Wissenschaft, im Sport und in der Wirtschaft gibt es Menschen und Gemeinschaften, die mit Leidenschaft und Liebe das Tempo und den Rhythmus vorgeben und für Generationen Vorbilder sind“, so Lovano. „Als Musiker sind wir ständig damit beschäftigt, uns weiterzuentwickeln und unsere eigene Stimme zu finden. Unser Weg wird vom Sound und vom Spirit dieser Meister genährt, die uns dazu inspirieren, den hohen Maßstäben gerecht zu werden. Die Künstler/-innen, die beim Bergamo Jazz Festival 2026 auftreten, weisen ihrerseits neue Wege, um das Erbe von Miles und Trane fortzuführen.“

Das Hauptprogramm gibt es auch diesmal wieder im Teatro Donizetti in Bergamos Unterstadt. Den Anfang macht dort am 20. März der britische Bassist Dave Holland, der selbst noch mit Davis gespielt hatte, mit dem Gitarristen Lionel Loueke, gefolgt vom Konzert mit Steve Coleman und seinen Five Elements – 20 Jahre nach dem letzten Auftritt dieses Saxofonisten beim Festival in Bergamo. Weiter geht es am 21. März mit dem Rhythmustandem von The Bad Plus, dem Bassisten Reid Anderson und dem Schlagzeuger Dave King, das mit Chris Potter (Saxofon) und Craig Taborn (Piano) zusammenkommt, um den Jazz des amerikanischen Quartetts des Pianisten Keith Jarrett aus den 1970ern zu feiern. Den zweiten Festivalabend beschließt dann die New Yorker Saxofonistin Lakecia Benjamin mit ihrer Band. Der dritte Tag im Teatro Donizetti steht dann ganz im Zeichen von Coltrane und Davis, die Lovano mit einer Traumbesetzung feiert. Mit ihm stehen dann der Trompeter Avishai Cohen, der Gitarrist Jakob Bro, der Pianist Leo Genovese, der Flötist (und vielleicht auch wieder Saxofonist) Shabaka Hutchings sowie Lovanos Instrumentalkollege George Garzone auf der Bühne, komplettiert von einer Rhyhtmusgruppe mit Drew Gress (Bass) und Joey Baron (Drums).

Eröffnet wird das Bergamo Jazz Festival auch diesmal wieder im Teatro Sociale in der geschichtsträchtigen Oberstadt: mit dem Trio des italienischen Pianisten Franco D’Andrea, der eine ganz eigene Lesart der Jazzhistorie hat, und einer Huldigung Wayne Shorters durch die in New York lebende, chilenische Saxofonistin Melissa Aldana mit ihrem Quartett. Und auch in der 47. Ausgabe des Festivals sind die Nebenschauplätze wieder von Bedeutung: Wenn zum Beispiel die Pianisten Wayne Horvitz und Genovese unbegleitete Solokonzerte am 19. und 21. März in der frisch restaurierten Aula Picta des Palazzo Vescovile spielen oder Englands Grande-Dame des Vocal Jazz, Norma Winstone, in Bergamo mit ihrem weitaus jüngeren Landsmann Kit Downes (Piano) ein durch improvisierte Kammermusik geprägtes Konzert in der Sala Piatti spielen wird.

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Bergamo Jazz Festival

Text
Martin Laurentius
Foto
Aquapio Films Ltd.

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jazzahead! 2026