RIP: Richie Beirach

Empathie ist ein Schlüsselwort für Beirachs musikalische wie menschliche Qualitäten. Ohne sich in den Vordergrund zu spielen, etablierte sich Beirach als exzellenter Techniker und wieselflinker Solist, aber auch als hochsensibler Interpret, wie seine Solo-Alben „Hubris“ (ECM/Universal) und „Ballads“ (Sony) zeigen. Seiner Allstar-Band Quest blieb er mit Unterbrechungen und wechselnden Besetzungen über drei Dekaden treu. Doch zu seinem bevorzugten Bandformat wurde das Trio – oft mit seinen Quest-Kollegen Billy Hart (Drums) und George Mraz (Bass), aber auch mal ohne Schlagzeug mit den Brüdern Gregor (Violine) und Veit Hübner (Bass). 2001 verließ Beirach New York, um an der Hochschule für Musik und Tanz „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig Jazzklavier zu lehren.
Nach seiner Emeritierung zog er 2015 zu seinem Trio-Partner, dem Schlagzeuger Christian Scheuber und seiner Meisterstudentin, der Pianistin Regina Litvinova, in ein Gehöft im pfälzischen Heßheim, das in der Region als „Jazz-WG“ bekannt wurde. Dort widmete er sich gemeinsamen wie eigenen musikalischen Projekten. So verband ihn eine enge Zusammenarbeit mit dem Festival Jazz am Rhein und den Jazz-Lights-Jamsessions in Ludwigshafen. 2021 feierte Dominiks Graf Erich-Kästner-Verfilmung „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ mit Filmmusik aus Beirachs Feder Premiere. Im selben Jahr musste Beirach den Tod seines Mitbewohners Scheuber verkraften. Sein letztes Solo-Album, ein Live-Mitschnitt mit Standards von unter anderen Miles Davis, Cole Porter, Leonard Bernstein, Rodgers & Hart und Thelonious Monk erschien 2023 auf Jazzline unter dem Titel „Leaving“, der sich nun traurigerweise als Prophezeiung erweisen sollte.
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