Ulysse Loup

0° W

Unit/OPEN

Ulysse Loup – 0° W (Cover)Ulysse Loup segelt für sein Leben gern. Bei Konzerten des französisch-schweizer Bassisten und Komponisten hängen alte Segel um die Musikerinnen und Musiker herum, während Ventilatoren und Lichtspiele die Illusion einer maritimen Atmosphäre erzeugen. Dreimal schon hat Ulysse den Atlantik auf seinem Boot überquert, und genau diese Erfahrung setzt er jetzt auf seinem aktuellen Album in klingende Noten um. Dazu braucht der 28-Jährige eine zehnköpfige Besatzung, die er der musikalischen Kompatibilität halber „Large Ensemble“ nennt. Wenn sich Loup an den Schnittstellen von Improvisation, Neuer Musik, zeitgenössischem Jazz und Elektronik entlanghangelt, dann klingt es, als würden Brecht und Weill im 21. Jahrhundert an einem Kurs aus dem Sturm basteln. Es beginnt mit „Les Amarres Tombent“ („Die Leinen fallen“) oder vertont Arthur Rimbauds Gedicht „Le Bateau Ivre“ („Das trunkene Schiff“). Zwei Schlagzeuger, zwei Bassisten, eine Gitarre, vier Bläser und eine Sängerin führen durch Wellen, Gischt und Wind. Klingt furchterregend spannend, wie die surreale Odyssee eines Bootes, müde vom Treiben, sehnsüchtig nach dem Untergang.

Text
Reinhard Köchl
, Jazz thing 162

Veröffentlicht am unter Reviews

Theaterhaus Jazztage 2026