Sie haben es wieder getan, die vier Sängerinnen, zwei Schlagzeuger und die anderen, die noch Instrumente wie Fiedel, Drehleier, Dudelsack, Zither, Saxofone, Flöten oder den Kontrabass bedienen. Das Tone of Voice Orchestra, jenes legendär-berüchtigte zehnköpfige Kollektiv aus bekannten skandinavischen Improvisatoren und Singer-Songwritern, erzählt, was ihnen seit ihrem atemberaubenden Debüt 2022 alles widerfuhr. Wenn der vor Kreativität nur so überschäumende Klangkörper seine aktuelle Flucht vor dem Teufel schildert, dann purzeln markante Grooves, eingängige Hooks, üppige Instrumentaltexturen, improvisierte Soli und Momente der Stille nur scheinbar durcheinander. Die Masterminds Fredrik Lundin und Trinelise Væring haben ihr Konzept verfeinert und gewähren den einzelnen Stimmen mehr Raum. Ihre eigentliche Kunst liegt dabei in den fließenden Übergängen, etwa von Salsa trunkenen Rhythmen zu einem Pfeifertreffen in der Bretagne bis hin zur gedämpften Lichtung in den nordischen Wäldern wie in „Tourist At God’s Mercy“. Wenn der Begriff nicht so überstrapaziert wäre – hier würde er wirklich perfekt passen: Das ist großes Hörkino!
Text
Reinhard Köchl
Ausgabe
, Jazz thing 162
Veröffentlicht am 23. Mrz 2026 um 07:57 Uhr unter Reviews