Paul Bernewitz klingt, als arbeitete er an der Rückverzauberung der Abstraktion. Der Pianist aus Leipzig kreist Harmonien ein, nähert sich Klangräumen über rätselhafte Tonkonstellationen und entfaltet dabei seinen eigenen Impressionismus. Es ist ein Experiment, wie es etablierte Kollegen wie Rainer Böhm oder Michael Wollny auch erforschen, die Suche nach dem Geisterhaften der Inspiration, den möglichst ungesteuerten, aber nicht zusammenhangslosen, motivischen Erinnerungen. Bernewitz gönnt sich dafür viel Pedal, viele lang klingende und sich überlagernde Saiten, brillant aufgenommen und gemixt vom Bauer-Neuklang-Team. „Between The Years“ ist ruhige Musik, ein Soloprogramm, das von zwei Standards und etwas Mendelssohn geklammert wird, dazwischen aber fein fragil klingende Zusammenhänge im Unklaren lässt. Erwartungen werden so lange nicht erfüllt, bis auch das Hören freier wird als sonst.
Text
Ralf Dombrowski
Ausgabe
, Jazz thing 162
Veröffentlicht am 09. Feb 2026 um 07:59 Uhr unter Reviews