John Taylor

Tramonto

ECM/Universal

John Taylor – Tramonto (Cover)Zehn Jahre nach seinem Tod eine weitere spannende Seite John Taylors zu entdecken, ist das eigentlich Faszinierende an „Tramonto“, dieser Live-Aufnahme aus Birmingham vom Januar 2002. Der britische Pianist, von 1993 bis 2007 Professor für Jazzpiano an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln, genoss mit Marc Johnson (Bass) und Joey Baron (Drums) hörbar jeden Moment. Er deutete Melodien oder ein bekanntes Muster an, verweilte aber nie in diesen Modi. Taylor pendelte genussvoll zwischen den Extremen. Exemplarisch dafür stehen Ralph Towners Ballade „Tramonto“, eine fragile Meditation auf Zehenspitzen, sowie Steve Swallows „Up Too Late“ als genaues Gegenstück, bei dem er von Bopphrasierungen nahezu übergangslos ins freie Spiel wechselt, während Johnsons Arco-Solo und Barons flirrende Drums das Thema pfiffig anspitzen. Ein weiteres Beispiel für Taylors Ausnahmestellung: „Pure And Simple“, eine ganz und gar nicht einfache, Chamäleon-artige Melodie, die im Handumdrehen Farben und Gesichter wechseln und sich durch eine Galerie von Szenen, Einflüssen und Stimmungen tanzen kann. Schlicht grandios!

Text
Reinhard Köchl
, Jazz thing 161

Veröffentlicht am unter Reviews

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