RIP: Michel Portal

Portal wurde 1935 in Bayonne im französischen Teil des Baskenlandes geboren. Als Sechsjähriger begann er Klarinette zu lernen, um in der Harmonie Bayonnaise seines Großvaters mitzuspielen. Als Mitglied dieser Blaskapelle verinnerlichte er die Folklore des Baskenlandes und spielte regelmäßig auf Volksfesten und Feiern. Er war begierig nach Musik und lernte auch noch Saxofon, Mandoline und Bandoneon. Über das Radio entdeckte er, dass es neben der Volksmusik auch noch europäische Klassik oder amerikanischen Jazz gab. Er war ein talentierter Autodidakt auf seinen Instrumenten, der tagtäglich hart daran arbeitete, diese virtuos und ausdrucksstark spielen zu können.
Schon als Jugendlicher traf Portal die Entscheidung, sein Geld später mit Musik zu verdienen. Er ging nach Paris ans „Conservatoire national supérieur de Musique et de Danse“ und schloss sein Studium mit Auszeichnung ab. Doch festlegen lassen wollte er sich auch dann nicht; weder als Instrumentalist noch als Orchesterleiter oder Komponist. Er wurde ein gefragter Interpret klassischer Musik und setzte sich mit dem Schaffen von Vertretern der Neuen Musik auseinander – wie zum Beispiel Luciano Berio, Pierre Boulez und Karlheinz Stockhausen. Darüber kam er in Kontakt mit der musikalischen Avantgarde und führte mit Ensembles wie New Phonic Art oder Musique Vivante eine radikale, oftmals frei improvisierte Musik auf. „Ich bin ein Improvisator“, so Portal, „ich kann mich nicht festlegen.“
Die Lust am Grenzübertritt behielt Portal zeitlebens bei. So wurde er zur zentralen Figur für den europäischen Free Jazz, sein Ensemble Unit war ein wichtiges Laboratorium für ihn und andere Improvisationskünstler/-innen. Gleichzeitig blieb er ein gefragter Spieler von klassischer und Neuer Musik und komponierte zudem viel für Film und Fernsehen. Ein besonderes Erlebnis hatte Portal vor 25 Jahren, als er nach Minneapolis in die USA ging, um mit Musikern aus dem Umfeld von Prince zu spielen und das Album „Minneapolis We Insist!“ aufzunehmen. „In den Vereinigten Staaten spürte ich eine besondere Art von Offenheit für die Musik“, meinte er nach seiner Rückkehr. Für ihn war es ein Leichtes, die Kluft zwischen der großen Tradition der klassischen Musik Europas und der Freiheit des Jazz aus den USA zu überbrücken. Am 12. Februar ist Michel Portal im Alter von 90 Jahren in Paris gestorben.





