Brüder KühnBrüder Kühn

Anfang des Monats, beim Preview mit geladenen Gästen im Kino Babylon in Berlin Mitte, war auch Bundespräsident und Jazz-Fan Frank-Walter Steinmeier im Publikum. Für den Sender 3sat zählt der Film „Brüder Kühn – Zwei Musiker spielen sich frei“ zu den aufwendigsten Produktionen dieses Jahres. Der mehrfach ausgezeichnete Dokumentarfilmregisseur Stephan Lamby hat die Brüder auf ihren jüngsten Tourneen begleitet, reiste mit Rolf Kühn nach New York und zu Joachim Kühn nach Ibiza. Lambys Film versteht sich auch als eine Zeitreise durch die deutsch-deutsche Geschichte, erzählt wird die liebevolle Beziehung zweier Brüder und deren menschliche und musikalische Freiheit. Joachim Kühn wurde dieses Jahr 75, Rolf Kühn wird am 29. September 90 Jahre alt. Joachim lebt auf Ibiza, Rolf in Berlin. Lamby lässt seine beiden Protagonisten mit eigenen Worten erzählen, nur ganz selten liefert er Stichworte aus dem Off. Dadurch gelingt zwar ein sehr ehrliches und aktuelles Porträt der beiden Musiker, es schönt aber nichts und schützt sie auch nicht vor politisch inkorrekten Aussagen oder flapsigen Sprüchen. Für „Katzen, Köter, Kinder, Kirche“ habe er keine Zeit, sagt Joachim Kühn, und dass er auch von Kritikern nichts hält, macht er wiederholt deutlich. Er lebe ganz für die Musik – auf Tour oder zu Hause am Flügel.

Die Geschichte von Rolf Kühn wurde durch Maxi Sickerts Buch „Clarinet Bird. Rolf Kühn – Ein Leben mit Jazz“ bekannt, im Film durchschreitet auch er nochmal einige Stationen seiner Biografie: Zirkuszelt, Judenverfolgung, aus dem Leipziger Arbeiterbezirk Lindenau in das Penthouse von Benny Goodman und mit Lester Young auf die Bühne der Carnegie Hall, Rundfunk im amerikanischen Sektor, gemeinsamer Auftritt mit Joachim beim Newport Jazz Festival und Leipziger Stolpersteine.

Beim Bühnengespräch nach der Filmvorführung wurde deutlich, warum ein Name, der für beide Künstler so wichtig war, im Film kaum vorkommt: Ornette Coleman (1930-2015). Das Film-Team war mit Rolf Kühn nach New York geflogen, um ein verabredetes Duo-Konzert mit Ornettes Sohn und langjährigem Schlagzeuger Denardo Coleman zu filmen, doch Denardo hatte sie offenbar versetzt. Musikalisch fühle er sich heute freier als jemals zuvor, sagt Rolf im New Yorker Central Park. Und fügt eine Maxime hinzu, die die beiden Brüder bis heute eint: „Ein Artist zu sein, bedeutet eisernes Training und zwar täglich“. Sendetermin: 3sat, 21. September um 20:15 Uhr.

Weiterführende Links
„Brüder Kühn“ in 3sat

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

Foto
ECO Media TV-Produktion/Steffen Bohnert

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