Die Jazzstudie 2016 wurde veröffentlichtJazzstudie 2016

Die „nackten“ Zahlen: Die Antworten von 1.860 Teilnehmern hat der Kultur- und Sozialwissenschaftler Thomas Renz von der Universität Hildesheim für die „Jazzstudie 2016“ ausgewertet. Und kommt zu folgenden Ergebnissen: 74 Prozent der befragten Musiker geben an, dass sie ihr Einkommen ausschließlich als Musiker oder Musiklehrer erzielen. 80 Prozent der Jazzmusiker sind Männer; interessant ist die Fußnote: „In den jüngeren Generationen steigt der Anteil der Frauen.“ Rund 60 Prozent der befragten Musiker sind organisiert, immerhin 21 Prozent sind Mitglied der Union Deutscher Jazzmusiker (UDJ). 77 Prozent haben an einer Musikhochschule studiert bzw. studieren immer noch, 74 Prozent leben und arbeiten in einer Großstadt. 54 Prozent haben 25 oder weniger Auftritte pro Jahr, 64 Prozent bekommen pro Auftritt weniger als 150 Euro Gage. 69 Prozent der deutschen Musiker geben an, dass sie ein Jahreseinkommen von weniger als 12.500 Euro haben, 26 Prozent verdienen mit Jazzmusikmachen zwischen 12.500 und 30.000 Euro und fünf Prozent haben ein jährliches Einkommen von mehr als 30.000 Euro.

Am 16. März haben in Berlin die Initiatoren, das Jazzinstitut Darmstadt, die IG Jazz Berlin und die UDJ, ihre 85 Seiten dicke „Jazzstudie 2016“ der Öffentlichkeit präsentiert. „Die Vielzahl der Jazz-Clubs, Konzertreihen und Festivals zeigt: Jazz ist ein unentbehrlicher Bestandteil unserer bunten Musiklandschaft“, freut sich die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, in ihrem Grußwort – bringt aber dann das Ergebnis dieser Studie auf den Punkt: „Die vorliegende ,Jazzstudie 2016′ macht auf die schwierigen Arbeits- und Lebensbedingungen von Jazz-Musikern aufmerksam, die nach außen selten sichtbar werden. Die Studie liefert darüber hinaus fundierte Erkenntnisse über den Status quo der deutschen Jazz-Szene und schließt hier eine Informationslücke.“ Neben Renz‘ Analyse und Interpretation der Zahlen sind in dieser Studie die zitierten Aussagen von Musikern interessant, die zusätzlich anonymisiert befragt worden sind. Antworten wie die einer Pianistin, „die Stunden für den Verwaltungsaufwand will ich gar nicht zählen. Das wird immer mehr, obwohl ich eine Agentin habe, die mir Arbeit abnimmt“, ergeben ein realistischeres Bild der Arbeitssituation von Jazzmusikern in Deutschland als das bloße Zahlenmaterial.

„Mit der ,Jazzstudie 2016′ liegen endlich belastbare Zahlen vor, auf die Kulturpolitik jetzt reagieren muss“, hat am 16. März bei der Präsentation der Studie in Berlin dann auch der kulturpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion und Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Medien im Deutschen Bundestag, Siegmund Ehrmann, festgestellt: „Dabei sind die Erkenntnisse weit über die Jazzszene hinaus für viele frei arbeitende Kulturschaffende relevant.“ Der UDJ-Vorsitzende, der Berliner Saxofonist Gebhard Ullmann, fordert wiederum als Reaktion auf die Ergebnisse der Studie, dass Bund, Länder und Kommunen eine solide Infrastruktur für diese wichtige Kunstform bereitstellen müssten: Dann „kann sich auch die Lebenssituation ihrer Künstler nachhaltig verbessern.“ Die komplette „Jazzstudie 2016“ gibt es als PDF zum Download im Internet.

Weiterführende Links
„Jazzstudie 2016“

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

Veröffentlicht am unter News
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