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Tyshawn Sorey

DEcomposed REcomposed

Der amerikanische Schlagzeuger Tyshawn Sorey hat sich vor allem als Komponist einen Namen gemacht. Auf seinem neuen Album „Mesmerism“ (Yeros7 Music/Bandcamp) interpretiert er jedoch Klassiker anderer Jazzkomponisten von Duke Ellington und Horace Silver über Paul Motian bis Muhal Richard Abrams.

Tyshawn Sorey (Foto: John Rogers)

Wenn Aaron Diehl in Horace Silvers „Enchantment“, dem Opener von „Mesmerism“, in die Tasten greift und Bassist Matt Brewer sowie Tyshawn Sorey etwas später einsteigen, ist es nicht ganz leicht, das Original auf Anhieb zu erkennen. Die Musik gleitet dahin wie ein Rinnsal in der Sommerhitze und scheint eher zu verdunsten und eins mit der Luft zu werden, als sich in einem Tümpel zu sammeln und zu verdichten. Tyshawn Sorey bleibt auch als Interpret von Jazzklassikern ein Komponist. Es wirkt, als würde er die Vorlagen aus verschiedenen Jahrzehnten völlig neu komponieren.

„Ich würde definitiv sagen, dass ich die Stücke rekomponiere“, stimmt der Drummer zu. „Ich versuche, die Parts zu verändern und die Stücke anders zu definieren, als es die Norm vorgibt. Dafür wende ich dieselben Methoden an, die ich für meine beiden ersten Trioalben mit eigenen Kompositionen genutzt habe. Mein Hauptwerkzeug ist die Spontaneität der Erfindung. Ich arbeite mit kompositorischen Formaten, mit denen ich aber auch nicht verheiratet bin. Sie sind flexibel. Ich kann eine Komposition in der Mitte starten, bestimmte Takte austauschen, mich durch eine Komposition navigieren wie durch einen Straßenplan oder ein Stück sowie einzelne Parts einfach rückwärts spielen. Ich suche immer nach logischen Wegen, Songs so zu strukturieren, dass es eine Logik ergibt. Vieles erscheint zufällig, dabei folgt es immer einer eigenen Logik.“

Bei seinen Standardinterpretationen entscheidet Sorey in jedem Song neu, wie weit er sich von den Originalen entfernt. In „Autumn Leaves“ ist die Melodie zum Beispiel erst ganz am Ende verhalten erkennbar. Pate für diese De- und Rekonstruktion von Standards standen Duke Ellingtons Album „Money Jungle“ und Greg Osbys „Banned In New York“, wobei Soreys Interpretationen komplett nostalgiebefreit sind. Er spielt sie ausnahmslos aus der Perspektive einer bewussten Gegenwart.

„Ich extrapoliere gern von allen Dingen, die ich gelernt habe, und bringe sie auf meine persönliche Weise zusammen. Für mich macht es überhaupt keinen Unterschied, ob jemand zur Avantgarde oder zum sogenannten Mainstream gehört hat. Sie alle haben sich mit derselben Ernsthaftigkeit ihrer Musik angenähert.“

Eine Auswahl zu treffen, ist Sorey nicht schwergefallen. Als Jugendlicher und Student hat er in Jamsessions Hunderte von Standards gelernt. Es ging ihm weniger um die Songs selbst als um drei spezielle Anliegen:

„Mein erstes Anliegen war es zu sehen, inwieweit ich meine Kompositionsmethoden auf Jazzstandards anwenden kann. Mein zweites Ziel bestand darin, ohne Proben und Absprachen ins Studio zu gehen und so weit wie möglich ins konzeptionelle und spielerische Risiko zu gehen. Normalerweise probiert man das Material erst mal in ein paar Gigs aus und probt es noch mal, bevor man ins Studio geht. Bis auf ‚Autumn Leaves‘ haben wir für alle Songs nur einen Take gebraucht. Die dritte Idee war ganz einfach, das Album kurz zu halten. Es sollte definitiv nicht länger als 45 Minuten sein, denn in unserer Zeit haben die Hörer einfach weniger Geduld als früher. Ich mag mich den Hörern nicht anbiedern, aber ich will möglichst viele Hörer erreichen, indem ich ihnen die Musik nicht um die Ohren haue.“

Für die hypnotische Transzendenz des Albums ist der Titel „Mesmerism“ die perfekte Beschreibung. Die Musik löst sich praktisch im Ohr auf, bis man kaum noch wahrnimmt, dass hier Klavier, Bass und Schlagzeug zusammenspielen. Sorey macht keinen Hehl daraus, dass er von einem Großteil der aktuellen Pianotrios gelangweilt ist. Er mag es nicht, wenn Jazzmusiker die Tricks zeigen, die sie gelernt haben. Zu viel Zufriedenheit auf der Bühne ist ihm zuwider. Für ihn selbst ist das Klaviertrio aber seine Lieblingskonstellation, sodass ihm nichts übrig bleibt, als diesem neue Facetten abzugewinnen

„Ich möchte nichts besser machen als andere Klaviertrios, sondern alles aufgreifen, was ich über die Struktur dieser Formation gelernt habe, und es erweitern. Es fordert mich heraus, Dinge auszuprobieren, die in einer bestimmten Situation eigentlich nicht funktionieren sollten. Der Grund für den Titel besteht genau darin, dass wir dem Hörer jenes Gefühl vermitteln wollen, das wir selbst beim Spielen und vor allem beim ersten Hören danach hatten. Ich wollte eine Kombination finden, die die Hörer gleichermaßen umwickelt und herausfordert. Am Ende der Session waren wir selbst komplett hypnotisiert, denn niemand hatte am Anfang auch nur eine vage Ahnung von den Resultaten.“

Text
Wolf Kampmann
Foto
John Rogers

Veröffentlicht am unter 145, Feature, Heft