Grammy: Die Jazz-Sieger/-innen

Christian McBride Big BandChristian McBride Big BandAm 1. Februar wurden in Los Angeles zum 68. Mal die Grammys verliehen. Oberflächlich betrachtet ging es bei dem Branchenpreis in diesem Jahr mehr als zuvor um politische Kommentare und Brüste, aber auch um ein historisches Novum: Als erstes nicht englischsprachiges Album wurde „DeBÍ TiRAR MáS FOToS“ (Rimas) von Bad Bunny mit dem Hauptpreis für das beste Album ausgezeichnet, außerdem als bestes Album im Bereich „Musica urbana“. Aber auch im Dickicht der insgesamt 95 mitunter drollig anmutenden Preiskategorien gab es denkwürdige Entscheidungen.

Im Jazz, der sich mittlerweile eine Sparte mit traditionellem Pop, zeitgenössischer Instrumentalmusik und Musical teilt, wurden sechs Auszeichnungen vergeben: „Portrait“ (Verve/Universal) von Samara Joy wurde zum besten Gesangsalbum gekürt, „Without Further Ado Vol. 1“ (Mack Avenue/Bertus) von der Christian McBride Big Band gewann in der Kategorie der besten Alben eines Großensembles. Der Preis für das beste Latin-Jazz-Album ging an Gonzalo Rubalcaba mit Yainer Horta & Joe Calveiro für „A Tribute To Benny Moré And Nat King Cole“ (Calveiro), und was immer „Alternative Jazz“ sein soll, der Grammy in dieser Kategorie ging an Schlagzeuger Nate Smith für sein Album „Live-Action“ (Naïve/Believe), das freilich auch als Alternative Rap oder R&B durchginge. Für das darauf enthaltene Stück „Big Fish“ gewannen Smith und sein Team außerdem einen Grammy für das beste Arrangement für Instrumente und Stimme.

Als beste Live-Performance wurde „Windows“ von Chick Corea, Brian Blade und abermals McBride geehrt, was auch den Bassisten zu einem der Mehrfachgewinner des Jahres macht. Die Aufnahme stammt vom Triple-Album „Trilogy 3“ (Candid/H’Art), das auch als bestes Instrumentalalbum nominiert war, sich in dieser Kategorie aber „Southern Nights“ (Artwork/Integral) von Sullivan Fortner geschlagen geben musste. Auch in den noch obskurer wirkenden Sparten kam es zu teilweise jazzrelevanten Jury-Entscheidungen: So wurden Ashley Kahns Liner-Notes zu „Miles ’55: The Prestige Recordings“ (Craft) als bester Begleittext gekürt, der New Yorker Saxofonist Remy Le Boeuf wurde für die beste Instrumentalkomposition ausgezeichnet: Das unter seiner Leitung eingespielte Stück „First Snow“ ist ironischerweise das einzige Instrumentalstück auf dem Album „Silent Course“ der Sängerin Danielle Wertz und der dänischen Nordkraft Big Band.

Im Bereich „American Roots“ wurde Mavis Staples für die beste American-Roots-Performance („Beautiful Strangers“) und die beste Americana-Performance („Godspeed“) ausgezeichnet. Das deutsche Label Analog Africa war mit gleich zwei seiner Compilations für den Preis als bestes historisches Album nominiert, doch der ging an Joni Mitchells „Archives, Volume 4: The Asylum Years (1976–1980)“ (Rhino/Warner). Der auch für eine Rekordzahl von Academy Awards nominierte Horrorfilm „Sinners“ gewann sowohl den Preis für den besten zusammengestellten Soundtrack (mit Beiträgen von unter anderen James Blake, Don Toliver, Brittany Howard und Raphael Saadiq), als auch den für die beste Filmscore-Komposition: Sie stammt aus der Feder von Ludwig Göransson.

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Text
Eric Mandel

Veröffentlicht am unter News

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