Buch: Helmut Zacharias

Zacharias wurde als Sohn des Geigers und Komponisten Karl Zacharias in Berlin geboren und studierte an der Akademischen Hochschule Berlin in der Meisterklasse von Gustav Havemann, der 1933 erster Leiter der von der NSDAP eingesetzten „Reichsmusikerschaft“ wurde. Zacharias selbst musizierte fortan unter anderem im Kammerorchester des strammen Nazis Hans von Benda und als Wehrmachtsangehöriger bei Radio Hilversum. Zugleich begann seine Liebe zum offiziell geächteten Swing-Jazz, die er nach Kriegsende auch ausleben konnte. Er veröffentlichte Platten mit zeitgemäßen Titeln wie „Helmy’s Be-bop Nr. 3“ und spielte im Tanzorchester des NWDR. Insgesamt komponierte er mehr als 450 Stücke, darunter zahlreiche Filmmusiken, und war auch als Arrangeur tätig. Er war in Unterhaltungsfilmen wie „Unter Palmen am Blauen Meer“ zu sehen und trat ab den 1960er-Jahren mit eigenem Orchester oft im Fernsehen auf.
Das Buch von Jakubczik beleuchtet Zacharias’ Weg von der Klassik in den Jazz, von der Weimarer Republik über die Nazi-Diktatur bis in die bundesdeutsche Nachkriegszeit, in der er als „Zaubergeiger“ gerühmt wurde. Im Vorwort heißt es dazu: „Für die Musik- und Kulturwissenschaft ist die Figur Helmut Zacharias als kreativ beteiligter Zeitzeuge mehrerer sich wandelnder Epochen der Jazz- und Popgeschichte neu zu entdecken.“ Jakubcziks Buch widmet sich der Aufgabe gründlich, nüchtern und in schnörkellosem Stil. Zu den Quellen gehören auch Aussagen von Zacharias’ Freund und Kollegen Coco Schumann und seiner jüdischen Kommilitonin Anja Lundholm, in deren autobiografischen Roman „Halb und halb“ Zacharias einen Auftritt hatte. Gegliedert in vier Themenblöcke, ist die Darstellung mit zum Teil unveröffentlichtem Bildmaterial illustriert und enthält zudem eine detaillierte Diskografie, historisch-biografische Zeitleisten, Übersichten von Zacharias’ Film- und Fernsehauftritten und seiner zahlreichen Auszeichnungen, sowie ein Nachwort von Gerhard Klußmeier.
Weiterführende Links
„Helmut Zacharias – Vom Jazzgeiger zum Weltstar“





